Title:
Verfahren zur Eradikation von Helicobacter pylori
Kind Code:
A1


Abstract:

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Eradikation von Helicobacter pylori, bei dem im Magen (2) unter Zuhilfenahme einer in diesen eingeführten Magensonde (7) für eine Zeitdauer physikalische und/oder chemische Bedingungen eingestellt werden, die von den im Magen herrschenden natürlichen Bedingungen abweichen.




Inventors:
ARNOLD JOACHIM CHRISTOF PROF (DE)
KUTH RAINER (DE)
MAIER KARL-HEINZ (DE)
Application Number:
DE102010010763
Publication Date:
09/15/2011
Filing Date:
03/09/2010
Assignee:
SIEMENS AG (DE)
Domestic Patent References:
DE2743781A1N/A1978-04-06



Foreign References:
WO2009127528A12009-10-22
Claims:
1. Verfahren zur Eradikation von Helicobacter pylori, bei dem im Magen (2) unter Zuhilfenahme einer in diesen eingeführten Magensonde (7) für eine Zeitdauer physikalische und/oder chemische Bedingungen eingestellt werden, die von den im Magen herrschenden natürlichen Bedingungen abweichen.

2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem die Innenwand (1) des Magens (2) mit UV- und/oder Infrarot-Strahlung beaufschlagt wird.

3. Verfahren nach Anspruch 2, bei dem die Strahlung einer sich außerhalb des Patientenkörpers befindlichen Strahlungsquelle über ein Faserbündel (5) lichtleitender Fasern (4) in den Magen (2) geleitet wird.

4. Verfahren nach Anspruch 3, bei dem ein Faserbündel (5) eingesetzt wird, vor dessen Lichtaustrittsfläche (8) ein optischer Diffusor (9) angeordnet ist.

5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem dem Magen (2) eine wässrige Flüssigkeit zugeführt wird.

6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem eine auf eine Temperatur von mehr als 37°C erwärmte Flüssigkeit dem Magen (2) zugeführt wird.

7. Verfahren nach Anspruch 6, bei dem gleichzeitig Flüssigkeit aus dem Magen abgeführt wird.

8. Verfahren nach Anspruch 7, bei dem eine Magensonde (7) mit einem Zuführkanal (11) und einem Rücklaufkanal (13) eingesetzt wird.

9. Verfahren nach 5, bei dem der Flüssigkeit ein Protonenhemmer zugesetzt wird.

10. Verfahren nach Anspruch 5, bei dem der Flüssigkeit Alkohol zugesetzt wird.

11. Verfahren nach Anspruch 5, bei dem der Flüssigkeit ein Protonenhemmer zugesetzt wird.

12. Verfahren nach Anspruch 5, bei dem der Flüssigkeit eine Puffersubstanz zugesetzt wird, um im Magen einen pH-Wert < 5 einzustellen.

13. Verfahren nach Anspruch 5, bei dem der Flüssigkeit ein Antibiotikum zugesetzt wird.

14. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem der Patient auf einem Patiententisch (17) liegt, dessen Tischplatte (21) um wenigstens eine Achse (18, 19) schwenkbar ist, so dass eine im Magen (2) vorhandene Flüssigkeit die Mageninnenwand (1) vollständig benetzt.

15. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem im Magen ein die Anwesenheit von Hp detektierender Sensor positioniert wird.

16. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem die Mageninnenwand (1) mit Hilfe von Mikrowellen auf eine Temperatur von mehr als 37°C erwärmt wird.

17. Magensonde (7) zur In-vivo-Eradikation von Helicobacter pylori, wobei ein Kanal der Zuführung einer Flüssigkeit in Magen (2) und der andere Kanal der Abführung von Flüssigkeit aus dem Magen (2) dient.

18. Magensonde nach Anspruch 16, wobei diese als Endoskop ausgebildet ist.

Description:

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Eradikation von Helicobacter pylori, also ein Verfahren zur vollständigen Eliminierung des genannten Bakteriums im Magen. Infektionen mit Helicobacter pylori (im Folgenden kurz Hp) sind für mehrere Magenerkrankungen verantwortlich, die mit einer verstärkten Sekretion von Magensäure verbunden sind, so etwa Typ-B-Gastritis sowie Magen- und Duodenumgeschwüre. Die Eradikation erfolgt bisher durch Verabreichung Kombination mehrerer Antiobiotika. Diese Art der Therapie hat starke Nebenwirkungen. Außerdem sind die eingesetzten Antibiotika relativ teuer. Hinzu kommt, dass es in zunehmendem Maße resistente Hp-Stämme gibt.

Aufgabe der Erfindung ist es daher, ein alternatives Verfahren zur radikation des Helicobacter pylori und eine zur Durchführung einer Verfahrensvariante dienende Magensonde anzugeben.

Diese Aufgabe wird hinsichtlich des Verfahrens nach Anspruch 1 und hinsichtlich der Sonde nach Anspruch 17 gelöst. Im Gegensatz zu herkömmlichen Therapieverfahren wird Hp nicht mit Hilfe von Antibiotika bekämpft, sondern in vivo einem andersartigen Stress ausgesetzt, indem im Magen unter Zuhilfenahme einer in diesen eingeführten für eine Zeitdauer physikalische und/oder chemische Bedingungen eingestellt werden, die von den im Magen natürlicherweise vorherrschenden Bedingungen abweichen. Hp nistet sich in und unter der Magenschleimhaut ein, wobei er sich vor der Magensäure schützt, indem er Ammoniak produziert und dabei in seiner unmittelbaren Umgebung den pH-Wert anhebt bzw. die Magensäure neutralisiert. Die Erfindung geht nun von der Überlegung aus, dass die Produktion von Ammoniak, die auf einer enzymatischen Spaltung von Harnstoff beruht, vollständig unterdrückt oder zumindest in einem Maße verringert wird, dass Hp durch die Einwirkung der Magensäure irreparabel geschädigt wird und letztlich abstirbt. Der Vorteil eines derartigen Verfahrens liegt darin, dass es ohne die Gabe von Antibiotika auskommt, wobei eine solche Behandlung allenfalls als flankierende, den Behandlungserfolg unterstützende Maßnahme in Betracht kommt. Während bei der herkömmlichen Behandlung die Gefahr besteht, dass der Patient die verordneten Antibiotika nicht regelmäßig einnimmt, diese nicht verträgt oder mit einem resistenten Hp-Stamm infiziert ist, kommt das erfindungsgemäße Verfahren prinzipiell ohne Antibiotika-Einnahme aus und führt bei einer ambulanten Behandlung von einigen Stunden zu einer vollständigen Eradikation des Hp.

Eine der im folgenden näher erläuterten Verfahrensvarianten sieht vor, dass dem Magen eine Flüssigkeit zugeführt wird, um dort physikalische und/oder chemische Bedingungen einzustellen, die zu einer Eradikation des Hp führen. Eine dafür vorgesehene Magensonde ist mit einem Zuführkanal und einem Rückflusskanal ausgestattet. Der Magen kann auf diese Weise, beispielsweise mit Hilfe von erwärmtem Wasser, über eine längere Zeit auf einer erhöhten Temperatur gehalten werden.

Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen angegeben.

Die Erfindung wird nun unter Bezugnahme auf die beigefügten Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:

1 eine schematische Darstellung eines Magens mit eingeführter Magensonde,

2 den vorderen Abschnitt einer mit einem Bündel lichtleitender Fasern ausgestatteten Magensonde in schematischer perspektivischer Darstellung,

3 eine schematisierte Seitenansicht eines Patiententisches mit darauf liegendem Patienten.

Physikalischen Bedingungen, die Hp derart beeinträchtigen, dass die Produktion von Ammoniak wesentlich verringert ist oder ganz zum Erliegen kommt, werden vorzugsweise durch Bestrahlung der Innenwand 1 des Magens 2 beziehungsweise der diese auskleidenden Schleimhaut mit UV- oder Infrarotstrahlung eingestellt. Die Intensität der Strahlung wird dabei so gewählt, dass die Magenschleimhaut möglichst wenig beeinträchtigt wird. Die UV-Strahlung kann mit Hilfe von Leuchtdioden oder auch mit Gasentladungslampen erzeugt werden, wobei vorzugsweise UV-C-Strahlung zum Einsatz kommt. Zweckmäßigerweise befindet sich eine Strahlungsquelle außerhalb des Patientenkörpers, wobei die Strahlung über einbeispielsweise von einer Umhüllung 3 zusammengehaltenes, aus einer Vielzahl lichtleitender Fasern 4 gebildetes Faserbündel 5 in den Magen 2 geleitet wird. Das Faserbündel 4 ist zweckmäßigerweise Bestandteil einer einen schlauchförmigen Außenmantel 6 aufweisenden Magensonde 7, die auch als Endoskop ausgebildet sein kann. Der Lichtaustrittsfläche 8 des Faserbündels 5 ist ein optischer Diffusor 9 vorgeschaltet, der die UV- beziehungsweise Infrarotstrahlung streut, so dass mit dem Faserbündel 5 ein größeres Areal der Mageninnenwand 2 bestrahlt werden kann, als dies ohne Diffusor der Fall wäre.

Während der Durchführung einer Behandlung der beschriebenen Art ist es zweckmäßig, den Behandlungserfolg mit Hilfe eines auf Hp ansprechenden Sensors (nicht gezeigt) zu überwachen. Ein solcher, beispielsweise in WO 2009/127528 A1 beschriebener Sensor ist beispielsweise in einer in den Magen einführbare Endokapsel (nicht dargestellt) integriert. Ein solcher Hp-Sensor umfasst z. B. zwei Elektroden, wobei eine Elektrode aus Silber und die andere aus einem anderen Material, beispielsweise aus Platin besteht. Auf der Oberfläche der Silberelektrode bildet sich bei Kontakt mit der sich im Magensaft befindlichen Salzsäure eine nichtleitfähige Schicht aus schwerlöslichem Silberchlorid. Bei Anwesenheit von Hp löst das Stoffwechselprodukt Ammoniak die Silberchloridschicht auf, wodurch sich die Spannung zwischen den beiden Elektroden verändert. Wenn gegen Ende der Bestrahlung oder einer anderen Behandlung sämtliche Hp zerstört sind, bildet sich mangels Anwesenheit von Ammoniak eine Silberchloridschicht aus, was sich wiederum in einem entsprechenden Spannungswert ausdrückt. Ein Sensor der beschriebenen Art kann sich auch an einer Magensonde 7 befinden, etwa an der in 1 mit dem Bezugszeichen 10 bezeichneten Stelle.

Zusätzlich oder als separate Maßnahme können für Hp schädliche Bedingungen insbesondere auch chemischer Art auch dadurch geschaffen werden, dass dem Magen eine wässrige Flüssigkeit zugeführt wird, um die Mageninnenwand 1 auf eine oberhalb der üblichen Körpertemperatur von 37°C liegende Temperatur zu erwärmen oder einen Wirkstoff zuzuführen, welcher auf Hp einwirkt. Zur Zuführung einer Flüssigkeit ist innerhalb eines über den Magenmund in den Magen 2 eingeführten Magensonde 7 ein Zuführkanal 11 vorhanden. Dieser kann entweder durch das vom Außenmantel 6 der Sonde umschlossene Lumen oder durch einen separaten Schlauch 12 gebildet sein. Insbesondere wenn mit der zugeführten Flüssigkeit eine Erwärmung des Magens erreicht werden soll ist es zweckmäßig, wenn in der Magensonde 7 auch ein Rückflusskanal 13 vorhanden ist. Auf diese Weise kann ein permanenter Flüssigkeitsstrom aufrechterhalten und dadurch gewährleistet werden, dass sich im Magen für einen längeren Zeitraum die gewünschte Temperatur einstellt. Die Eintrittsöffnung 14 des Rücklaufkanals 13 befindet sich an einer von dem sich innerhalb des Magens befindlichen vorderen Ende 15 der Sonde 7 entfernten Stelle. Dadurch ist verhindert, dass die aus dem vorderen Ende 15 ausfließende Flüssigkeit unmittelbar wieder in die Eintrittsöffnung 14 gelangt, ohne das sie vorher in das Lumen des Magens 2 fließen und die Mageninnenwand aufwärmen kann.

Im Falle einer dem Magen 2 zugeführten Flüssigkeit sollte diese im Hinblick auf eine vollständige Hp-Eradikation möglichst die gesamte Mageninnenwand 1 benetzen. Dazu ist es denkbar, das Lumen des Magens vollständig zu füllen. Wenn sich eine solche Vorgehensweise jedoch verbietet, kann eine Benetzung auch auf andere Weise erfolgen. So kann der Patient 16 auf einem Patiententisch 17 liegend behandelt werden, dessen Tischplatte 21 schwenkbar ist. Auf diese Weise kann auch mit einer geringen Flüssigkeitsmenge durch entsprechende Schwenkbewegungen der Tischplatte eine Benetzung der gesamten Mageninnenwand 1 erreicht werden. Bei dem in 3 gezeigten Patiententisch 17 ist eine erste, sich in Längsrichtung des Patiententisches 17 erstreckende Achse 18 und eine quer dazu verlaufende Achse 19 vorhanden. Bei einer Schwenkung der Tischplatte 21 um die Achse 19 bewegt sich im Magen befindliche Flüssigkeit etwa in Richtung des Doppelpfeils 20 und bei einer Verschwenkung um die Achse 19 etwa in Richtung des Doppelpfeils 23.

Eine dem Magen zugeführte Flüssigkeit kann nicht nur, wie oben beschrieben, der Erwärmung der Mageninnenwand 1 dienen. Mit ihr kann auch eine die Eradikation von Hp unterstützende oder verursachende Wirksubstanz zugeführt werden. Dabei lässt sich kaum vermeiden, dass Flüssigkeit über den sphincter pylori 24 in den Zwölffingerdarm 25 und weiter in den Dünndarm gelangt. Über die Mageninnenwand 1 sowie die Innenwände des Zwölffingerdarms 24 und des Dünndarms gelangt somit die Substanz in die Blutbahn, was die Gefahr von Nebenwirkungen in sich birgt. Um den Übertritt in die Blutbahn zumindest im Darmbereich zu verhindern, wird bei einer bevorzugten Verfahrensvariante der Sphincter pylori 24 durch ein in den Magen 2 eingeführtes Verschlusselement 26 verschlossen, so dass keine Flüssigkeit mehr in den Zwölffingerdarm 25 gelangen kann. Das Verschlusselement 26 ist beispielsweise ballonartig ausgestaltet sein, wobei es im kollabierten Zustand in den Magen eingeführt, im Bereich des Sphincter pylori 24 platziert und mit Luft gefüllt wird. Denkbar ist auch eine Positionierung in einem sich unmittelbar an den Sphincter pylori 24 anschließenden Bereich 27 des Zwölffingerdarms.

Wie bereits oben erwähnt, kann der dem Magen zugeführten Flüssigkeit eine Wirksubstanz beigemengt werden. Dabei kann es sich beispielsweise um einen Alkohol wie Ethanol handeln, um die Wirkung unnatürlicher physikalischer oder chemischer Bedingungen auf Hp zu unterstützen bzw. zu verstärken. Zweckmäßig kann auch in manchen Fällen die Gabe von Protonenhemmern sein, z. B. bei Patienten mit Magenschmerzen. Sie reduzieren die Bildung von Magensäure und damit i. d. R. die Magenschmerzen. Die pH-Erhöhung bei Verabreichung eines Protonenpumpenhemmers bewirkt, dass die Aktivität des Hp herabgesetzt ist, was ihn evtl. angreifbarer durch die weiter oben beschriebenen Maßnahmen machen könnte. Als eine Behandlung flankierende Maßnahme kann es auch zweckmäßig sein, der dem Magen zugeführten Flüssigkeit ein Antibiotikum zuzusetzen. Bei Behandlung eines Patienten der vor der Behandlung einen Protonenhemmer eingenommen hat, kann es zweckmäßig sein, den pH-Wert auf Werte unterhalb von pH = 5 mit Hilfe einer geeigneten Puffersubstanz, die zweckmäßiger Weise der dem Magen zugeführten Flüssigkeit zugesetzt wird, zu stabilisieren.

Eine Alternative zu der oben beschriebenen Erwärmung der Mageninnenwand auf eine Temperatur größer 37°C kann auch mit Hilfe von Mikrowellen vorgenommen werden. Hierzu wird eine Magensonde 7 eingesetzt, die einen Wellenleiter (nicht gezeigt) beinhaltet. Über diesen werden Mikrowellen in den Magen geleitet, wo sie eine Erwärmung der Mageninnenwand 1 bewirken. Vorzugsweise werden Mikrowellen mit einer Frequenz im Bereich von 2,4 GHz appliziert.

Die oben beschriebene Magensonde 7 kann auch ein Endoskop (nicht gezeigt) sein, wobei dann neben der Durchführung der in Rede stehenden Behandlung gleichzeitig eine Sichtkontrolle der Mageninnenwand 1 erfolgen kann.

ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG

Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde automatisiert erzeugt und ist ausschließlich zur besseren Information des Lesers aufgenommen. Die Liste ist nicht Bestandteil der deutschen Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung. Das DPMA übernimmt keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.

Zitierte Patentliteratur

  • WO 2009/127528 A1 [0011]