Title:
Invertiert erklingende Klang-Skulptur
Kind Code:
U1


Abstract:

Invertiert erklingende Klang-Skulptur zur elektro-akustischen Wiedergabe von Klang-Strukturen, dadurch gekennzeichnet, dass diese einer ”Zarge” oder dem ”Rasten-Bogen” des bestehenden Modells eines Konzertflügels hochkant aufgerichtet gleicht.




Application Number:
DE202009006013
Publication Date:
09/24/2009
Filing Date:
04/23/2009
Assignee:
Klaey, Martin (Berlin, 10827, DE)
International Classes:



Claims:
1. Invertiert erklingende Klang-Skulptur zur elektro-akustischen Wiedergabe von Klang-Strukturen, dadurch gekennzeichnet, dass diese einer ”Zarge” oder dem ”Rasten-Bogen” des bestehenden Modells eines Konzertflügels hochkant aufgerichtet gleicht.

2. Klang-Skulptur nach Anspruch 01, dadurch gekennzeichnet, dass in die Front-Enden des Zargens je zwei 10 mm dicke Rund-Stahlstangen so tief eingelassen werden, dass sie auf keinen Fall seitlich ausbrechen können (also mindestens 40 cm).

3. Klang-Skulptur nach Anspruch 01 + 02, dadurch gekennzeichnet, dass diese insgesamt vier Rund-Stahlstangen unabhängig von der Form des Auslaufs der Zargen-Enden präzise an der Horizontalen ausgerichtet werden können.

4. Klang-Skulptur nach Anspruch 01–03, dadurch gekennzeichnet, dass diese Stahlstangen auf zwei Arten aufgesockelt werden können: Entweder werden die Stangen in einen in den Untergrund versenkten Betonsockel eingelassen, oder werden in ein Karree, bestehend aus zwei mit 10 mm dicken Stahlrundstangen verspannten Eichenfüßen von mindestens 1,20 m Länge ein-gesenkt.

5. Klang-Skulptur nach Anspruch 01–04, dadurch gekennzeichnet, dass auf der höchsten Wölbung der hochkant aufgerichteten Zarge ein Aufsatz aufgebracht ist, welcher in der Art eines nach unten offenen Kastens die gesamten Bauteile komplett umschließt.

6. Klang-Skulptur nach Anspruch 01–04, dadurch gekennzeichnet, dass ein Aufsatz nach Anspruch 05 auf der Oberfläche Raum für mindestens 20 × 60 cm Flache mit Solar-Zellen hat.

7. Klang-Skulptur nach Anspruch 01–04, dadurch gekennzeichnet, dass ein Aufsatz nach Anspruch 05 + 06 über akustische Dämmung für die sich darin befindlichen Bauteile hat.

8. Klang-Skulptur nach Anspruch 01–04, dadurch gekennzeichnet, dass ein Aufsatz nach Anspruch 05–07 wasserdicht ist.

9. Klang-Skulptur nach Anspruch 01–04, dadurch gekennzeichnet, dass sich in einem Aufsatz nach Anspruch 05–08 mindestens folgende Komponenten vorhanden sind: Solar-Zellen, Akkumulator, Tonerzeuger wie z. B. Walkman oder RAM-Stick, Mini-Verstärker, Festkörper-Schallwandler.

10. Klang-Skulptur nach Anspruch 01–04, dadurch gekennzeichnet, dass alle sich im Aufsatz nach Anspruch 05–09 befindlichen Teile den aktuellen Möglichkeiten der Entwicklung der Elektronik angepasst und ausschließlich durch die Stromversorgung des Solar-Zellen-Moduls gespeist werden.

11. Klang-Skulptur nach Anspruch 01–04, dadurch gekennzeichnet, dass sich im Aufsatz nach Anspruch 05–10 mindestens eine von außen zugängliche manuelle Lautstärke-Steuerungs-Möglichkeit befindet.

12. Klang-Skulptur nach Anspruch 01–04, dadurch gekennzeichnet, dass sich im Aufsatz nach Anspruch 05–11 zusätzlich ein Bauteil befindet, welches den Wiedergabe-Pegel interaktiv mit bestehenden Umgebungsgeräuschen nach einem über die Stunde gemittelten Algorithmus abgleicht.

13. Klang-Skulptur nach Anspruch 01–04, dadurch gekennzeichnet, dass sich im Aufsatz nach Anspruch 05–12 ein Bewegungsmelder- oder Wärmedetektor befindet, welcher das System spätestens nach 30 min Interaktionslosigkeit abschaltet.

14. Klang-Skulptur nach Anspruch 01–04, dadurch gekennzeichnet, dass die im Aufsatz nach Anspruch 05–13 verwendeten Klang-gebenden Strukturträger ausgetauscht werden können wie z. B. Kassettenwechsel bei einem Walkman oder Austausch einer Flash-Karte bei einem mp3-Player, ohne dadurch den gesamten Aufsatz komplett demontieren zu müssen.

15. Klang-Skulptur nach Anspruch 01–14, dadurch gekennzeichnet, dass sich der Schutzanspruch nicht auf spezifische Bauweise und Typ von einzelnen Komponenten des beschriebenen Systems bezieht, sondern auf ihre hier exemplarisch beschriebene Art der Zusammenstellung.

Description:
A) Umfeld01)

Bei Klang-Skulpturen, -Objekten und -Installationen wird normalerweise die auditive Wahrnehmung des Publikums über eine Anregung des umliegenden Luftraums angestrebt.

02)

Dabei wird meistens ein System von Klangerzeugern sichtbar oder unsichtbar aufgebaut und unabhängig von der Art der jeweiligen Anregung des Schallwandler-Systems und der jeweils erzielten Darbietung einer technisch reproduzierten Klangstruktur, durch eine zentrale Impuls- und Energieversorgung zum Klingen gebracht.

03)

Um Richtcharakteristik und Abstrahlpegel von solchen Installationen in eine jeweilige akustische Umgebung einzufügen wird diese dabei zentral oder interaktiv geregelt.
In jedem Fall geschieht dies entweder durch einen Menschen vor Ort, oder durch automatisierte Schemata mit Zeitablauf oder Lautstärke der Klangdarbietung.
Je komplizierter und Ereignis-intensiver ein installiertes System ist, desto aufwändiger werden solche Regulations-Prozesse, bis hin zur erforderlichen Präsenz eines Operators.

04)

Schließlich wird meistens der Zusammenhang von visueller, auditiver und taktiler Wahrnehmung für die Ereignisqualität von installierten Objekten als gegeben angesehen.

B) Problemstellung

Das Hauptproblem bei 01 oben ist meistens zugleich auch das Merkmal einer solchen Anlage, nämlich seine im allgemeinen gewünschte invasive akustische Vermittlung an durch alle sich im Umfeld befindlichen Personen. Der erwünschte Effekt, also die auditive Stimulierung von Publikum kann sich hier aber auf Dauer ins Gegenteil verkehren und zur Belastung werden. Dies erschwert eine dauerhafte Installation von Klangskulpturen außerhalb des musealen oder performativen Rahmens, also etwa in einem Garten oder einer Eingangshalle.

Zudem ist der technische und dadurch finanzielle Aufwand für den Ausbau und die Betreuung im allgemeinen sehr hoch. Auch darum bleibt solchen Klangobjekten der Zugang zum öffentlichen und Alltagsbereich meistens verwehrt. Dies hängt wiederum unter anderem auch mit der oben in 02 angedeuteten zentralen Impuls- und Energiesteuerung und dem hohen Energiebedarf von beliebigen Klang-erzeugenden akustisch-invasiven Systemen zusammen, was unter anderem den Einsatz von unüblich langen Kabel- oder kostenintensiven Funkstrecken erfordert.

Das Problem bei 03 stellt sich solange dar, wie eine Schallübertragung auf dem Luftweg angestrebt wird. Um für die Darbietung z. B. eines niederfrequenten Klang mit hohem Pegel zu erzeugen, muss mit viel Anregungsenergie gearbeitet werden. Ein weiteres Problem stellt hier die Steuerung dar, welche mit zunehmender Komplexität einer Installation oder eines Skulptur notwendig wird. Dabei wird im allgemeinen durch ausgeklügelte Prozesse zwischen einerseits der gewünschten Weckung eines Wahrnehmungs-Interesses und andererseits einer Bewahrung der Belastung von Unbeteiligten durch unerwünschte Schall-Emission entgegengewirkt. Meistens ist dies im Bereich von auditiver Architektur gerade ein Teil des kreativen Prozesses von Protagonisten und Rezipienten.

Hier entsteht aber wiederum das Problem der unbeabsichtigten, rein aus technischen Gegebenheiten erforderlichen Omni-Präsenz eines Operators, sei es Mensch oder Automat. Da nun auditive Architektur und die Installation von Klangskulpturen, wie jede Kunst im öffentlichen Raum zum Ziel haben muss, die Selbstdarstellung der Erbauer hinter dem Werk zurücktreten zu lassen, entsteht allerdings hier ein Interessens-Konflikt.

Ein Hauptproblem bei oben 04 entsteht durch eine scheinbare Konzert-Atmosphäre, welche gerne unfreiwillig durch die kollektive Hinlenkung von Rezipienten auf eine Raum-akustische Darbietung entsteht, was jeder Intention von nachhaltiger Klanginstallation widerspricht.

C) Lösung

Die Erfindung besteht im weitesten Sinn in der Bereitstellung eines Darbietungsraums für elektro-akustisch dargebotene Klänge durch Übertragung via Festkörperschallwandler auf einen resonierenden Gegentand.

Dieser hat hier beispielshaft die Form des hochkant (vertikal) aufgerichteten ”Zargens” oder ”Rastenbogens” eines Konzertflügels (27.11.2008 als Geschmacksmuster Nr. 40 2008 005 827.5).

Die mit Ziffer 01 zusammengefassten Probleme dahingehend behoben, dass innerhalb des Übertragungsraums eine beliebige Klangstruktur zur Darbietung gebracht werden kann, ohne im akustischen Raum selbst wahrnehmbar zu sein. Beim Anlegen des Ohrs an die Skulptur eröffnet sich erst die komplette Klangfülle der dargebotenen Klangstruktur.

Bezüglich des unter 02 angesprochenen Energie- und Strukturversorgungsproblems wird ein Aufsatz beschrieben, welcher aus der Zusammenstellung verschiedener austauschbarer Niedrigst-Strom-Module besteht. Im Schwerpunkt steht dabei die integrierte Stromversorgung aller Teile durch eine Solar-Zellen-Fläche und ein entsprechendes Akkumulation-System.

Das bei 03 angedeutete Steuerungs- und Komplexitiätsproblem löst die Erfindung durch die Verwendung von einfachster Regelungstechnik, wie sie in jedem Gerät der Unterhaltungselektronik zu finden sind. So kann die beschriebene Skulptur in beliebiger Stückzahl zu überschaubaren wirtschaftlichen Bedingungen und Bedienungsvoraussetzungen angeboten werden.

Die Problematik eines unfreiwilligen Rückfalls in alte Wahrnehmungs-Vermittlungs-Gewohnheiten bei 04 wird durch den speziellen Aufbau und die akustische Besonderheit entgegengewirkt. Dabei wird a) die Skulptur selbst durch die Verwendung eines visuellen Musikbezugs optisch ebenso ”klingt” wie akustisch, d. h. visuelle und auditive Wahrnehmung stehen in einem besonders filigranen Gleichgewicht zueinander. Dazu kommt, dass die taktile und haptische Wahrnehmungs-Dimension durch das Ohr-an-die-Skulptur-Legen verbindend dazwischen vermittelt.