Title:
Verfahren zum Ermitteln einer nutzerspezifischen Haarbehandlung I
Kind Code:
A1


Abstract:

Es wird ein Verfahren zum Ermitteln einer nutzerspezifischen Haarbehandlung unter Bestimmung und Einbeziehung des Schädigungsgrads von Haar bereitgestellt. Dazu wird zunächst mit Hilfe von Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren der Keratinfasern eines Individuums der Gehalt an Cysteinsäure ermittelt und über ein Kalibriermodell ein Schädigungsgrad abgeleitet. Auf Basis des ermittelten Schädigungsgrads wird eine individuelle Behandlungsanweisung ausgegeben.




Inventors:
Knübel, Georg, Dr. (40219, Düsseldorf, DE)
Gebert-Schwarzwälder, Antje, Dr. (41469, Neuss, DE)
Kroos, Astrid (40789, Monheim, DE)
Application Number:
DE102016222193A
Publication Date:
05/17/2018
Filing Date:
11/11/2016
Assignee:
Henkel AG & Co. KGaA, 40589 (DE)



Foreign References:
WO2010076104A22010-07-08
JP2003270138A2003-09-25
Other References:
MIYAMAE, Yuta; YAMAKAWA, Yumika; OZAKI, Yukihiro: Evaluation of physical properties of human hair by diffuse reflectance near-infrared spectroscopy. In: Applied Spectroscopy, Vol. 61, 2007, No. 2, S. 212-217. - ISSN 0003-7028
RASHAID, Ayat H.B.; HARRINGTON, Peter B.; JACKSON, Glen P.: Amino acid composition of human scalp hair as a biometric classifier and investigative lead. In: Analytical Methods, Vol. 7, 2015, S. 1707-1718.
Claims:
Verfahren zur individualisierten Haarbehandlung, gekennzeichnet durch die Schritte
a) Ermitteln des Cysteinsäuregehalts mehrerer Proben unterschiedlich geschädigter Keratinfasern mittels eines chromatographischen Verfahrens;
b) Aufnahme von Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren der Proben unterschiedlich geschädigten Keratinfasern;
c) Erstellen eines Kalibriermodells, das eine Korrelation zwischen Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren und dem Cysteinsäuregehalt herstellt;
d) Aufnahme von Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren der Keratinfasern eines Individuums;
e) Bestimmung eines Schädigungsgrades der Keratinfasern dieses Individuums anhand des Kalibriermodells;
f) Ausgabe einer individuellen Behandlungsanweisung zu den Keratinfasern des Individuums in Abhängigkeit vom ermittelten Schädigungsgrad.

Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Kalibriermodell aus den Schritten a) bis c) als gespeicherte Information auf einem lokalen Datenträger oder in einer Cloud vorliegt.

Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass Schritt d) bei einem Friseur, an einem Verkaufspunkt („point of sale“, POS) von Haarbehandlungsmitteln oder im privaten Bereich durchgeführt wird.

Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass Schritt d) durch ein smartes Endgerät gesteuert wird, vorzugsweise über eine vorab installierte App, welche besonders bevorzugt über einen QR-Code, einen NFC-Chip, einen Barcode oder einen RFID-Chip direkt bei einem Friseur oder an einem Verkaufspunkt („point of sale“, POS) von Haarbehandlungsmitteln heruntergeladen werden kann.

Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Schädigungsgrad in „% geschädigt“ oder in relativen Angaben („sehr stark, stark, mittel, schwach und gar nicht“) optisch, insbesondere mittels einer Anzeigevorrichtung, oder akustisch, insbesondere mittels einer Sprachansage, vorzugsweise durch ein smartes Endgerät, ausgegeben wird.

Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Kalibriermodellweitere Faktoren, insbesondere kategoriale Faktoren, beispielsweise Ethnizität des Individuums, Alter des Individuums und/oder Haarfarbe des Indivduums, berücksichtigt.

Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die individuelle Behandlungsanweisung die Empfehlung von Blondiermitteln und/oder Haarfärbemitteln und/oder Haarpflegeprodukten umfasst.

Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die individuelle Behandlungsanweisung die Empfehlung umfasst, für einen bestimmten Zeitraum von Blondierungen und/oder oxidativem Färben und/oder permanenten Verformungen und/oder Hitzebehandlung Abstand zu nehmen.

Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die individuelle Behandlungsanweisung die Empfehlung umfasst, für einen bestimmten Zeitraum die Haarfarbe nur um eine maximale Zahl von Nuancen aufzuhellen und/oder oxidativ zu färben.

Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die individuelle Behandlungsanweisung eine Dosierungsempfehlung für eine Blondierung und/oder eine oxidative Färbung und/oder die Vorhersage eines Resultats einer Blondierung und/oder oxidativen Färbung umfasst.

Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die individuelle Behandlungsanweisung darin besteht, dem Individuum zum/vom Einsatz von Haarpflegeprodukten, die das Individuum anhand von QR-Codes, NFC-Chips, Barcodes oder RFID-Chips, identifiziert, zu- oder abzuraten.

Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die individuelle Behandlungsanweisung darin besteht, dem Individuum zum Einsatz von Blondiermitteln und/oder Haarfärbemitteln und/oder Haarpflegeprodukten, die für das Individuum individuell hergestellt werden, zu zuraten und einen Bestellvorgang, vorzugsweise durch Aufrufen einer Internetseite eines Herstellers von individuellen Blondiermitteln und/oder individuellen Haarfärbemitteln und/oder individuellen Haarpflegeprodukten, einzuleiten.

Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die individuelle Behandlungsanweisung gespeichert wird und in nachfolgenden Verfahren für eine langfristige Empfehlung genutzt wird.

Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich zum Schädigungsgrad der Keratinfasern deren Kräuselung bestimmt wird und diese bei der individuellen Behandlungsanweisung berücksichtigt wird.

Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich zum Schädigungsgrad der Keratinfasern deren Dicke bestimmt wird und diese bei der individuellen Behandlungsanweisung berücksichtigt wird.

Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich zum Schädigungsgrad der Keratinfasern deren Grauanteil bestimmt wird und diese bei der individuellen Behandlungsanweisung berücksichtigt wird.

Description:

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Ermitteln einer nutzerspezifischen Haarbehandlung.

Bei einer Behandlung von Haar mit kosmetischen Produkten kann eine Wirkung des Produkts, z.B. eine Intensität einer Färbung, stark vom Schädigungsgrad des Haars abhängen. Zudem ist geschädigtes Haar oftmals schwer handhabbar und glanzlos.

Es gibt viele verschiede Haarpflegeprodukte am Markt, welche unterschiedlich Haareigenschaften oder-parameter, wie beispielsweise den Glanz, verbessern sollen. In vielen Fällen weiß der Anwender solcher Produkte aber nicht, wie stark und auf welche Weise seine Haare geschädigt sind. Dies kann dazu führen, dass der Anwender zu in seinem speziellen Fall weniger geeigneten Produkten greift und nach ihrer Anwendung mit deren Wirksamkeit unzufrieden ist.

Deshalb kann eine Ermittlung einer Schädigung des Haars von großer Bedeutung sein.

Haar kann durch natürliche oder künstlich herbeigeführte Vorgänge geschädigt werden. Der wichtigste Schädigungstyp kann dabei eine oxidative Schädigung sein.

Die natürlichen Vorgänge können beispielsweise eine kombinierte (z.B. gleichzeitige) Einwirkung von UV-Licht und Sauerstoff (O2) auf das Haar aufweisen.

Die künstlich herbeigeführten Vorgänge können dabei beispielsweise ein Anwenden von Haarfärbemitteln (auch als Colorationen bezeichnet), ein Blondieren, und/oder ein Erzeugen einer Dauerwelle umfassen.

Dabei kann neben erwünschten kosmetischen Effekten, wie z.B. einer Aufhellung des Haars, auch eine starke Schädigung des Haars auftreten, beispielsweise bei einer Verwendung von Oxidationsmitteln.

Der Schädigungsvorgang kann dabei ursächlich durch eine Oxidation von Aminosäuren, beispielsweise eine Oxidation der im Haar sehr häufig vorkommenden Aminosäuren Cystin und Cystein zu Cysteinsäure, erfolgen. Cystin kann im Haar intermolekulare Disulfidbrücken (auch als S-S-Brücken bezeichnet) ausbilden, so dass das Cystin äußerst wichtig ist für die mechanische Stabilität des Haars.

Die Oxidation dieser Brücken zu Cysteinsäure kann die mechanische Stabilität des Haars zerstören und bei mehrfachen Anwendungen sogar zu einem vollständigen Haarbruch führen. Allerdings können bereits vorher makroskopisch wahrnehmbare, z.B. fühlbare, Eigenschaften des Haars, beispielsweise eine Oberflächenrauigkeit, negativ beeinflusst werden. Auch Ergebnisse kosmetischer Behandlungen, insbesondere schädigender Verfahren, können bereits in einem frühen Schädigungsstadium massiv verändert sein im Vergleich zu einem Ergebnis bei ungeschädigtem Haar.

Der beschriebene Schädigungsmechanismus ermöglicht es, den Grad der wichtigsten, nämlich der oxidativen Schädigung, durch eine Bestimmung eines Gehaltes an Cysteinsäure exakt zu ermitteln.

Im akademischen und industriellen Bereich stehen einem Forscher oder Entwickler eine Vielzahl von physikalischen und chemisch-analytischen Verfahren zur Verfügung, um eine Ermittlung des Schädigungsgrads durchzuführen, beispielsweise eine quantitative Ermittlung des oxidativen Schädigungsgrads.

Herkömmlich werden hierbei chromatographische Verfahren verwendet, wie beispielsweise Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) nach einem aufwändigen sauren hydrolytischen Aufschluss der Haarprobe.

Ungeschädigtes Haar kann typischerweise einen Cysteinsäuregehalt in einem Bereich von etwa 0.5% bis etwa 1% (nach Gewicht) aufweisen. Bei Vorliegen einer Schädigung, beispielsweise infolge mehrfachen Ultrablondierens und/oder anderer Schädigungsmechanismen, kann der Cysteinsäuregehalt auf über 15% (Gew.) ansteigen.

Allerdings sind all diese chromatographischen Verfahren kompliziert und apparativ aufwändig, so dass sie einem Endverbraucher nicht zur Verfügung stehen.

Immer mehr Anwender von Produkten wünschen sich ein auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmtes Produkt. Dies gilt insbesondere auch für Schönheitsprodukte wie Haut- und/oder Haarbehandlungsmittel.

Es war deshalb eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung ein Verfahren zur Ermittlung individueller Haarbehandlungsanweisungen bereitzustellen, welches einem Endverbraucher auf einfache Weise erlaubt, den Cysteinsäuregehalt in seinem Haar zu bestimmen und eine darauf abgestimmte Haarbehandlungsanweisung zu erhalten.

Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren zur individualisierten Haarbehandlung mit den Schritten:

  1. a) Ermitteln des Cysteinsäuregehalts mehrerer Proben unterschiedlich geschädigter Keratinfasern mittels eines chromatographischen Verfahrens;
  2. b) Aufnahme von Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren der Proben unterschiedlich geschädigter Keratinfasern;
  3. c) Erstellen eines Kalibriermodells, das eine Korrelation zwischen Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren und dem Cysteinsäuregehalt herstellt;
  4. d) Aufnahme von Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren der Keratinfasern eines Individuums;
  5. e) Bestimmung eines Schädigungsgrades der Keratinfasern dieses Individuums anhand des Kalibriermodells;
  6. f) Ausgabe individueller Behandlungsanweisungen zu den Keratinfasern des Individuums in Abhängigkeit vom ermittelten Schädigungsgrad.

Der Begriff Keratinfaser umfasst im Rahmen dieser Anmeldung Pelze, Wolle und Federn, insbesondere aber menschliche Haare.

Die Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektroskopie erlaubt die direkte, zerstörungsfreie Bestimmung des Cysteinsäuregehaltes ohne eine aufwendige Probenvorbereitung und ohne das Haar durch die Analyse in seiner Struktur zu verändern oder zu zerstören. Dies hat den Vorteil, dass das Ergebnis sehr schnell erhalten wird und die Haare gleich nach der Bestimmung des Cysteingehaltes einer Behandlung unterzogen werden können. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektroskopie Keratinfasern, welche sich am Kopf des Individuums befinden, ausgeführt werden kann.

Das beanspruchte Verfahren verlangt zunächst die Erstellung eines Kalibriermodells. Dazu wird in einem Schritt a) zunächst der Cysteinsäuregehalt mehrerer Proben unterschiedlich geschädigter Keratinfasern mittels eines chromatographischen Verfahrens, beispielsweise mittels HPLC, bestimmt.

In einem Schritt b) werden dann Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren der Proben unterschiedlich geschädigter Keratinfasern aufgenommen.

Die Nahinfrarot- (NIR-) und/oder ein Infrarot- (IR-)Spektren können beispielsweise mittels ATR-(Nah-)Infrarotspektroskopie (von Englisch „attenuated total reflection“, auf Deutsch „abgeschwächte Totalreflexion“) gewonnen werden.

In Schritt c) wird ein Kalibriermodell erstellt, das eine Korrelation zwischen den Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren der Proben (Kalibrierspektren) und dem Cysteinsäuregehalt der Proben, der mittels eines unabhängigen chromatographischen Verfahrens ermittelt wurde, herstellt. Das Erstellen des Kalibriermodells kann auch umfassen, dass für die Mehrzahl von Kalibrierhaarproben ein Kalibrierspektrum von zumindest einem Teil des Nahinfrarot- und/oder Infrarotlichts, welches während eines Belichtens der Kalibrierhaarprobe mit Nahinfrarot- und/oder Infrarotlicht von der Kalibrierhaarprobe reflektiert und/oder gestreut wird, aufgenommen wird, ein Schädigungsgrad der Kalibrierhaarprobe mittels eines unabhängigen chromatographischen Verfahrens ermittelt wird, ein Schädigungsgrads zum Kalibrierspektrum zugewiesen wird und eine Korrelation zwischen der Mehrzahl von Kalibrierspektren und der Mehrzahl von Schädigungsgraden ermittelt wird.

Die Schritte a) und b) müssen nicht zwingend nacheinander und in dieser Reihenfolge durchgeführt werden. So kann zuerst Schritt b) und dann Schritt a) durchgeführt werden.

In einer bevorzugten Ausführungsform liegt das Kalibriermodell aus den Schritten a) bis c) als gespeicherte Information auf einem lokalen Datenträger oder in einer Cloud vor. Ein lokaler Datenträger im Sinne dieser Anmeldung umfasst alle physischen Trägersubstanzen, auf denen Daten festgehalten werden können. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist der Datenträger identisch mit der Datenverarbeitungsvorrichtung an die die (N)IR-Spektrometer zur Aufnahme von Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren der Keratinfasern angeschlossen sind. Dies kann insbesondere ein Smartphone, ein Tablet, ein Laptop oder ein Computer sein. In einer alternativen Ausführungsform liegt das Kalibriermodell aus den Schritten a) bis c) als gespeicherte Information in einer Cloud vor.

Durch eine Anwendung von mathematischen Modellen kann mittels Vermessung von Kalibrier-Haarproben, welche einen anhand eines bekannten analytischen Verfahrens ermittelten Cysteinsäuregehalt aufweisen, ein mathematisches Modell erstellt werden, welches dann bei einer Haarprobe, auch als Tresse bezeichnet, des Verbrauchers anhand des aufgenommenen NIR- bzw. IR-Spektrums eine Berechnung eines Gehalts an Cysteinsäure, und damit der Haarschädigung, erlaubt. Eine Analyse des Spektrums und eine Anwendung des Modells kann dabei beispielsweise (mit geeigneten Apps) mittels bekannter Datenverarbeitungsvorrichtungen wie Smartphones, Tablet o.ä. ausgeführt werden.

Zur Optimierung des Kalibriermodells können weitere Faktoren, insbesondere kategoriale Faktoren, wie beispielsweise Ethnizität des Individuums, Alter des Individuums (als Kategorie oder metrisch), Haarfarbe des Individuums (als Kategorie oder metrisch), berücksichtigt werden.

Im weiteren Verfahren wird in Schritt d) ein Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren der Keratinfasern eines Individuums aufgenommen. Dies kann beispielsweise derart erfolgen, dass während eines Belichtens einer Haarprobe des Haars des Individuums mit Nahinfrarot- und/oder Infrarotlicht ein Spektrum von zumindest einem Teil des Nahinfrarot- und/oder Infrarotlichts, welches von der Haarprobe reflektiert und/oder gestreut wird aufgenommen wird.

In Schritt e) wird der Schädigungsgrad der Keratinfasern des Individuums anhand des in den Schritten a) bis c) erstellten Kalibriermodells bestimmt.

Dazu wird beispielsweise zumindest ein Teil des Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektrums vom Haar des Inviduums mit dem Kalibriermodell verglichen und ein Schädigungsgrad des Haars ermittelt/zugewiesen.

In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform erfolgt die Aufnahme der Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren der Keratinfasern eines Individuums an unterschiedlichen Positionen entlang der Keratinfasern. So kann die Aufnahme der Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren am Ansatz und/oder in der Mitte und/oder an den Spitzen der Keratinfasern erfolgen. Entsprechend kann für jede dieser Positionen ein eigener Schädigungsgrad ermittelt werden.

Die Nahinfrarotspektroskopie basiert wie andere Schwingungsspektroskopien auf der Anregung von Molekülschwingungen durch elektromagnetische Strahlung im (nahen) Infrarotbereich. Bei der Nahinfrarotspektroskopie findet die Detektion im nahen Infrarot (760-2500 nm oder ca. 13.000-4.000 cm-1) statt. Im Folgenden wird für Licht mit einer Wellenzahl in einem Bereich von 12500 bis 4000 cm-1 der Begriff Nahinfrarot (NIR) verwendet, und für Licht mit einer Wellenzahl in einem Bereich von 3999 bis 400 cm-1 der Begriff Infrarot (IR).

Durch Verwendung miniaturisierter (N)IR-Spektrometer und deren Anschluss an eine mobile Datenverarbeitungsvorrichtung kann das Verfahren und insbesondere Schritt d) des Verfahrens beispielsweise im privaten Bereich durch das Individuum selber, durch eine beliebige Person an einem Verkaufspunkt („point of sale“, POS) von Haarbehandlungsmitteln oder durch einen Friseur durchgeführt werden. In einer bevorzugten Ausführungsform ist die mobile Datenverarbeitungsvorrichtung ein smartes Endgerät, zum Beispiel ein Smartphone, ein Tablet oder ein Laptop.

Die (N)IR-Spektrometer können insbesondere auch in mobiler Form bereitgestellt werden, beispielsweise in Form von Hand-Spektrometern („handheld“) oder Aufsatz-Spektrometern.

Ein Beispiel für ein geeignetes Hand-Spektrometer ist das „MicroNIR OnSite“ der Firma Viavi Solutions Inc. Dieses Spektrometer wird von einem Tablet oder einem Laptop über einen USB-Anschluss mit Strom versorgt und gesteuert und ermöglicht mit einer Messzeit von zwischen 0,25 und 0,5 Sekunden die Aufnahme der Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren der Keratinfasern eines Individuums in Echtzeit. Das Spektrometer weist zwei integrierte Vakuum-Wolfram-Lampen und ein InGaAs-Photodioden-Array mit 128 Pixeln auf. Das „MicroNIR OnSite“ arbeitet in einem Wellenzahlenbereich von 6060 bis 10526 cm-1. Der Abstand zwischen den Keratinfasern und dem Glas des Handspektrometers kann zwischen 0 und 15 mm, wobei ein Abstand von 3 mm bevorzugt ist.

In einer Ausführungsform der Erfindung wird das ganze Verfahren zur individualisierten Haarbehandlung durch das Tablet oder den Laptop durchgeführt, welcher das „MicroNIR OnSite“-Spektrometer mit Strom versorgt und steuert. Alternativ können die gewonnen spektroskopischen Daten an eine weitere (mobile) Datenverarbeitungsvorrichtung, insbesondere ein weiteres smartes Endgerät, gesendet werden, welches dann das Verfahren zur individualisierten Haarbehandlung durchführt. Die Übertragung der spektroskopischen Daten kann beispielsweise kabellos mittels WLAN (WiFi) oder Bluetooth erfolgen.

Ein weiteres geeignetes Hand-Spektrometer ist das „i-Spec Nano“ der Firma B&W Tek. Das Spektrometer wird über einen USB-Anschluss und einer daran angeschlossenen (mobilen) Datenverarbeitungsvorrichtung oder über eine Batterie mit Strom versorgt. Das Spektrometer weist eine Lichtquelle auf und arbeitet in einem Wellenzahlenbereich von 4545 bis 7692 cm-1. Die Übertragung der spektroskopischen Daten an eine (mobile) Datenverarbeitungsvorrichtung, welche dann das Verfahren zur individualisierten Haarbehandlung durchführt, kann kabellos mittels WLAN (WiFi) oder Bluetooth erfolgen.

Ebenfalls geeignet ist das Hand-Spekrometer „QualitySpec Trek“ der Firma ASD Inc. Dieses arbeitet in einem Wellenzahlenbereich von 28571 bis 400 cm-1.

Ein weiteres geeignetes Hand-Spektrometer ist das „SCiO by Consumer Physics“, welches mit Hilfe der integrierten App „SpectroScan“ die spektroskopischen Daten auf einem smarten Endgerät anzeigt.

Noch weitere geeignete Hand-Spektrometer sind von der Firma Attonics Systems erhältlich, welche entweder in Wellenzahlenbereichen von 9090 bis 26.315 cm-1 (VIS-NIR) oder von 3333 bis 10.000 cm-1 (NIR) arbeiten. Diese Spektrometer basieren auf Interferometern und weisen einen hohen Lichtdurchsatz und eine hohe spektrale Auflösung (< 5 nm für VIS-NIR-Spektrometer und < 20 nm für das NIR-Spektrometer) auf. Die Spektrometer weisen einen Multi-Phase Shift Array (MPA) Chip und eine optische Anordnung in einem kreisförmigen Rohr auf. Ferner sind die Spektrometer kompatibel mit mobilen Datenverarbeitungsvorrichtungen.

Daneben existieren eine Reihe von NIR-Sensoren oder NIR-Auswertungsmodule, welche in Hand-Spektrometer verwendet werden können. Geeignete NIR-Auswertungsmodule sind die Module „DLP® NIRscan“ und „DLP® NIRscan Nano“ der Firma Texas Instruments. Diese weisen zwei Wolfram-Lampen und InGaAs-Photodioden als Detektoren auf. Das Modul „DLP® NIRscan“ arbeitet im Wellenzahlenbereich von 4016 bis 7407 cm-1 und das Modul „DLP® NIRscan Nano“ im Bereich von 5882 bis 11111 cm-1. Die Kommunikation der spektroskopischen Daten erfolgt kabellos über Bluetooth Low Energy. Mit Hilfe von „Software Developer Kits“ (SDK), beispielsweise das Open Source SDK von KST Technologies, können Apps entwickelt werden, die die spektroskopischen Daten auswerten oder weiter verarbeiten.

Weitere geeignete NIR-Sensoren sind unter der Bezeichnung „NeoSpectra“ von Si-Ware Systems erhältlich. Konkrete Sensoren umfassen: NeoSpectra SW62221-1.7, NeoSpectra SW62221-2.1 und NeoSpectra SW62221-2.5, welche in unterschiedlichen Wellenzahlenbereichen arbeiten.

Es kann bevorzugt sein, dass der zumindest eine Teil des Nahinfrarot- und/oder Infrarotlichts einen (Nahinfrarot-)Wellenzahlbereich von 5022 cm-1 bis 4020 cm-1 aufweist.

Cystin zeigt im Wellenzahlbereich von etwa 6200 cm-1 bis etwa 5500 cm-1 charakteristische Absorptionsbanden. Verändert sich das Haar, beispielsweise durch stärker werdende Schädigung (Zunahme des Cysteinsäuregehaltes), kann sich das im NIR-Spektrum auf die für die Cysteinsäure charakteristischen Banden bei 5022 cm-1 bis 4020 cm-1 auswirken.

Es ist aber insbesondere bevorzugt, dass der zumindest eine Teil des Nahinfrarot- und/oder Infrarotlichts einen (Infrarot-)Wellenzahlbereich um etwa 1040 cm-1 aufweist. Hier können sich unter anderem die relevanten Absorptionsbanden der zu analysierenden Komponente Cysteinsäure befinden.

In einer bevorzugten Ausführungsform wird Schritt d) durch ein smartes Endgerät gesteuert. Dabei ist es bevorzugt, dass das Verfahren eine auf dem smarten Endgerät vorab installierte App gesteuert wird.

Unter einer „App“ wird im Rahmen dieser Anmeldung ein Computerprogramm bezeichnet, das genutzt wird, um eine nicht systemtechnische Funktionalität zu bearbeiten oder zu unterstützen. Der Begriff „App“ umfasst insbesondere Anwendungssoftware für smarte Endgeräte wie Smartphones und Tablets („mobile App“) als auch Desktop-Anwendungssoftware. Die App kann eine native App sein, die nur auf einer Plattform funktioniert, oder eine plattformunabhängige Web-, Hybrid- oder Cross-Plattform-App.

Die App kann besonders bevorzugt über einen QR-Code, einen NFC-Chip, einen Barcode oder einen RFID-Chip direkt bei einem Friseur oder an einem Verkaufspunkt („point of sale“, POS) von Haarbehandlungsmitteln heruntergeladen werden.

Alternativ kann die App, insbesondere im Fall, dass sie auf einem smarten Endgerät installiert werden soll, über eine in das jeweilige Betriebssystem des smarten Endgeräts integrierte Internet-Vertriebsplattform heruntergeladen werden. Im Fall eines smarten Endgeräts mit dem Betriebssystem „Apple iOS“ kann dies beispielsweise der „App Store“ sein oder im Fall eines smarten Endgeräts mit dem Betriebssystem „Android“ kann dies der „Google Play Store“ sein.

In einer Ausführungsform enthält der QR-Code, der NFC-Chip, der Barcode oder der RFID-Chip einen Weblink, welcher den Anwender des Verfahrens auf eine Internetseite führt, von der der Anwender des Verfahrens die App herunterladen kann.

Es ist ferner bevorzugt, wenn der in dem Verfahren ermittelte Schädigungsgrad in „% geschädigt“ oder in einer relativen Angabe („sehr stark, stark, mittel, schwach und gar nicht“) ausgegeben wird. Eine Ausgabe in „% geschädigt“ ermöglicht einen direkten Vergleich der zu unterschiedlichen Zeitpunkten jeweils für ein Individuum ermittelten Schädigungsgrade. So kann beispielsweise auch die Wirksamkeit der Behandlung zeitlich verfolgt werden.

Die Ausgabe des Schädigungsgrads kann optisch, beispielsweise mittels einer Anzeigevorrichtung der (mobilen) Datenverarbeitungsvorrichtung, oder akustisch, beispielsweise mittels einer Sprachansage über einen Lautsprecher, erfolgen.

In einer besonders bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens umfasst die individuelle Behandlungsanweisung die Empfehlung von Blondiermitteln und/oder Haarfärbemitteln und/oder Haarpflegeprodukten.

Die Empfehlung kann dabei die Anzeige oder Ansage eines konkreten Produktnamens eines Blondiermittels und/oder Haarfärbemittels und/oder Haarpflegeprodukts umfassen. Alternativ kann die Empfehlung die Anzeige oder Ansage einer Produktlinie oder -serie, insbesondere eine Blondiermittellinie/-serie und/oder Haarfärbemittellinie/-serie und/oder Haarpflegeproduktlinie/-serie, eines Herstellers umfassen.

In einer alternativen Ausführungsform des Verfahrens umfasst die individuelle Behandlungsanweisung die Empfehlung, für einen bestimmten Zeitraum von Blondierungen und/oder oxidativem Färben und/oder permanenten Verformungen und/oder Hitzebehandlungen Abstand zu nehmen. Diese individuelle Behandlungsanweisung kann insbesondere bei Überschreiten einer bestimmten Prozentzahl für den ermittelten Schädigungsgrad erfolgen oder bei der relativen Einstufung des Schädigungsgrads in den Bereichen „sehr stark“ und/oder „stark“.

Unter den Begriff „permanente Verformung“ fallen alle Verfahren zur Lockung von glattem Haar oder Glättung von gelocktem Haar. Dieses können Dauerwell-Verfahren oder chemische Glättungsverfahren sein. Neben dem Einsatz von Chemikalien, können auch Hitzebehandlungen Keratinfasern weiter schädigen. Entsprechend kann die individuelle Behandlungsanweisung die Empfehlung umfassen, von Hitzebehandlungen wie beispielsweise dem Einsatz von Lockenstäben oder Glätteisen, für einen bestimmten Zeitraum abzusehen.

Weisen die Keratinfasern einen leichten bis mittleren Schädigungsgrad auf, umfasst in einer weiteren, bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens die individuelle Behandlungsanweisung die Empfehlung, für einen bestimmten Zeitraum die Haarfarbe nur um eine maximale Zahl von Nuancen aufzuhellen und/oder oxidativ zu färben.

In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung kann die individuelle Behandlungsanweisung eine Dosierungsempfehlung für eine Blondierung und/oder eine oxidative Färbung und/oder die Vorhersage eines Resultats einer Blondierung und/oder oxidativen Färbung umfasst.

Bei einer Blondierung oder beim oxidativen Färben von Keratinfasern wird in einem alkalischen Milieu die Schuppenschicht der Keratinfasern geöffnet und ein -je nach gewünschtem Blondierungs- oder Aufhellungsergebnis - unterschiedlich hoch dosierter Wasserstoffperoxid-Cocktail löst die natürlichen (Farb-)Pigmente mehr oder weniger stark auf. Die Keratinfaser wird umso heller, je höher dosiert das Wasserstoffperoxid ist. Aufgrund dieser Wirkungsweise schädigen Blondierungen oder oxidative Färbungen Keratinfasern immer spürbar. Je höher die Konzentration des Wasserstoffperoxids und je länger die Einwirkzeit ist, desto stärker ist die Schädigung.

Bei vorgeschädigten Keratinfasern ist es deshalb vorteilhaft, für einen bestimmten Zeitraum die Haarfarbe nur um eine maximale Zahl von Nuancen aufzuhellen und/oder oxidativ zu färben. Ebenso ist es bei vorgeschädigten Keratinfasern vorteilhaft in einer Dosierungsempfehlung, die Konzentration des Wasserstoffperoxids zu begrenzen, um weitere (starke) Schädigungen durch den Blondierungs- oder Färbevorgang zu vermeiden/reduzieren.

Immer mehr Anwender wünschen bevor sie eine Blondierung oder (oxidative) Färbung vornehmen einen realistischen Eindruck, wie ihre Haare nach einer Blondierung oder (oxidativen) Färbung aussehen. Viele Anbieter von Blondierungen oder (oxidativen) Färbungen bieten deshalb Farbberatungs-Apps an. Mit der App „Schwarzkopf Frisuren Styleguide“ lassen sich beispielsweise Haarfarben in Echtzeit vorab testen. Dazu lädt der Anwender die App auf ein smartes Endgerät und nimmt mit der Frontkamera ein Foto seines Kopfes auf. Die Software der App erkennt Gesicht und Kopfform. Der Anwender wählt dann eine bestimmte Blondierung oder (oxidative) Färbung aus und bekommt auf der Anzeigevorrichtung des smarten Endgeräts angezeigt, wie er/sie nach Anwendung dieser Blondierung oder (oxidativen) Färbung aussieht.

Zur Vorhersage des Blondierungs- oder Färberesultat wird zunächst die Ausgangshaarfarbe bestimmt und dann basierend auf dem vom Anwender gewählten konkreten Blondierungs- oder Färbeprodukt das Blondierungs- oder Färbungsresultat berechnet. Da der Schädigungsgrad von Haaren einen Einfluss auf das Blondierungs- oder Färberesultat nimmt, liefert das Verfahren zur individualisierten Haarbehandlung bessere, insbesondere realistischere, Vorhersagen eines Resultats einer Blondierung und/oder oxidativen Färbung.

In einer weiteren, vorteilhaften Ausführungsform des Verfahren besteht die individuelle Behandlungsanweisung darin, dem Individuum zum/vom Einsatz von Haarbehandlungsprodukten, die der Anwender des Verfahrens und/oder das Individuum anhand von QR-Codes, NFC-Chips, Barcodes oder RFID-Chips identifiziert, zu- oder abzuraten.

In dieser Ausführungsform des Verfahrens kann der Anwender des Verfahrens, beispielsweise ein Friseur oder eine beliebige Person am Verkaufspunkt von Haarbehandlungsmitteln, nach Ermittlung des Schädigungsgrad geeignete oder nicht geeignete Haarbehandlungsmittel über QR-Codes, NFC-Chips, Barcodes oder RFID-Chips, welche beispielsweise am Haarbehandlungsmittel selber oder am Ort dessen Aufbewahrung, beispielsweise am Regal im Friseurgeschäft oder im Verkaufspunkt von Haarbehandlungsmitteln, angebracht sind, ermitteln.

QR-Codes, NFC-Chips, Barcodes oder RFID-Chips ermöglichen, Informationen kabellos zu übertragen.

Als Barcode wird eine optoelektronisch lesbare Schrift bezeichnet, die aus verschieden breiten, parallelen Strichen und Lücken besteht. Die Daten in einem Strichcode werden mit optischen Lesegeräten, wie zum Beispiel Barcodelesegeräten (Scanner) oder Kameras, maschinell eingelesen und elektronisch weiterverarbeitet. Viele smarte Endgeräte weisen eine Software auf, die es ermöglicht, mit der Digitalkamera des smarten Endgeräts zu erfassen und dem Anwender die Code-Information sofort in dekodierter Form anzuzeigen.

Ein QR-Code („Quick Response“) ist ein zweidimensionaler Code, der aus einer quadratischen Matrix aus schwarzen und weißen Quadraten besteht, die die kodierten Daten binär darstellen. Üblicherweise verfügen smarte Endgeräte über eine eingebaute Kamera. Nach dem Fotografieren des QR-Codes wird mit Hilfe einer Software der QR-Code ausgelesen/interpretiert.

NFC-Chips und RFID-Chips sind Sender-Empfänger-Systeme. In diesem Fall muss mindestens ein Kommunikationspartner aktiv sein, also die Kommunikation anregen. Der andere Partner kann ein beispielsweise ein Chip ohne Energieversorgung sein. Dieser passive Teil wird auch Transponder (=Transmitter&Responder) genannt. Neben der aktiv-passiv Kommunikation zwischen beispielsweise einem smarten Endgerät als aktivem Kommunikationspartner und einem Transponder/Chip ist ebenfalls eine aktiv-aktiv Kommunikation möglich.

Die Kopplung/Anregung geschieht durch vom aktiven Kommunikationspartner erzeugte magnetische Wechselfelder in geringer Reichweite oder durch hochfrequente Radiowellen. Damit werden nicht nur Daten übertragen, sondern auch der Transponder mit Energie versorgt. Der aktive Kommunikationspartner, beispielsweise ein smartes Endgerät, enthält eine Software, die den eigentlichen Leseprozess steuert, und eine sogenannte Middleware mit Schnittstellen zu weiteren (mobilen) Datenverarbeitungsvorrichtungen und/oder Datenbanken.

RFID („radio-frequency identification“) funktioniert über Radiowellen. Die RFID-Technik umfasst ein sehr breites Angebot an verschiedenen Chips und Lesegeräten, welche sich im Wesentlichen durch Speicherkapazität, Herstellverfahren, Kosten, Frequenzbereich und durch die Reichweite unterscheiden.

NFC („Near Field Communication“) ist eine genormte Spezialisierung der RFID-Technik, die speziell für eine Datenübertragung über kurze Distanzen (max. 10 cm) entwickelt wurde.

QR-Codes, NFC-Chips, Barcodes oder RFID-Chips können beispielsweise Informationen enthalten, für welche Schädigungsgrade das zugehörige Haarbehandlungsmittel geeignet oder nicht geeignet ist.

In einer alternativen Ausführungsform des Verfahrens besteht die individuelle Behandlungsanweisung darin, dem Individuum zum Einsatz von Blondiermitteln und/oder Färbemitteln und/oder Pflegeprodukten, die für das Individuum individuell hergestellt werden, zu zuraten und einen Bestellvorgang, vorzugsweise durch Aufrufen einer Internetseite eines Herstellers von individuellen Blondiermitteln und/oder individuellen Färbemitteln und/oder individuellen Pflegeprodukten, einzuleiten.

Immer Kunden wünschen sich ein individuell auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Produkt. Dabei kann es sich um ein speziell für den Kunden hergestelltes Produkt oder ein sogenanntes „mass customized“ Produkt handeln. Bei einem „mass customized“ Produkt kann durch Variation von wenigen, aus Kundensicht jedoch entscheidenden Merkmalen eines Produkts, eine Individualisierung erreicht werden. Bevorzugt basieren diese „mass customized“ Produkte auf dem Konzept der Modularisierung, das heißt, das Produkt kann aus diversen Modulen/Bausteinen individuell zusammengestellt werden.

Zwischen den vielen unterschiedlichen Merkmalen/Inhaltsstoffen eines Produktes bestehen oftmals zahlreiche Abhängigkeiten, die als „Gebote“ oder „Verbote“ ausgedrückt werden können. Um eine eindeutige Produktdefinition zu erhalten, kann es vorteilhaft sein, dass der Bestellvorgang mit Hilfe eines Produktkonfigurator abläuft. Dieser Konfigurator hilft dem Kunden bei der Auswahl der Merkmale/Inhaltsstoffe und weist ihn auf die zulässigen/unzulässigen Merkmalskombinationen hin, wobei letztere dann nicht ausgewählt werden können.

Bei Blondiermitteln, Färbemitteln und Pflegeprodukten für Keratinfasern umfassen die relevanten Produktmerkmale insbesondere die chemischen Inhaltsstoffe der Mittel, die physikalischen Eigenschaften der Mittel und die Konfektionsart der Mittel. Mit Hilfe eines Produktkonfigurators kann beispielsweise die Auswahl chemisch und/oder physikalisch inkompatibler Inhaltsstoffe oder die Auswahl für den ermittelten Schädigungsgrad ungeeigneter Inhaltsstoffe vermieden werden. Umgekehrt kann die Auswahl für den ermittelten Schädigungsgrad geeigneter Inhaltsstoffe durch den Produktkonfigurator vorgegeben oder vorgeschlagen werden.

Es ist auch bevorzugt, dass die individuelle Behandlungsanweisung gespeichert wird und in nachfolgenden Verfahren für eine langfristige Empfehlung genutzt wird.

In einer weiteren Ausführungsform findet vor der Ausgabe der Empfehlung an den Anwender ein Datenabgleich zwischen der (mobilen) Datenverarbeitungsvorrichtung, insbesondere dem smarten Endgerät und Daten, die in einer Cloud hinterlegt sind, statt. Dies können beispielsweise Daten von Anwendern mit gleichen oder ähnlichen Schädigungsgraden sowie gegebenenfalls weiteren gleichen oder ähnlichen Keratinfaser-Parametern und den daraus abgeleiteten Empfehlungen/Maßnahmen sein. So können dem Anwender neben der individuellen Behandlungsanweisung weitere Informationen

In einer besonders bevorzugten Ausführungsform wird zusätzlich zum Schädigungsgrad der Keratinfasern deren Kräuselung bestimmt wird und diese bei der individuellen Behandlungsanweisung berücksichtigt.

In einer ebenfalls bevorzugten Ausführungsform wird zusätzlich zum Schädigungsgrad der Keratinfasern deren Dicke bestimmt wird und diese bei der individuellen Behandlungsanweisung berücksichtigt.

Neben dem Schädigungsgrad der Keratinfasern haben weitere Eigenschaften der Keratinfasern Einfluss auf den Erfolg einer Behandlung der Keratinfasern. So können insbesondere die Kräuselung und/oder die Dicke von Keratinfasern einen Einfluss auf den Erfolg einer Behandlung der Keratinfasern nehmen. Die Kräuselung und/oder die Dicke von Keratinfasern nimmt insbesondere Einfluss auf die Behandlung von Keratinfasern mit Pflegemitteln. Da insbesondere für vorgeschädigte Keratinfasern eine erfolgreiche Behandlung mit Pflegeprodukten wünschenswert ist, ist die Berücksichtigung der Kräuselung und/oder der Dicke der individuellen Behandlungsanweisung besonders vorteilhaft.

Die Werte für die Kräuselung und/oder Dicke von Keratinfasern können beispielsweise mit geeigneten Verfahren durch das smarte Endgerät, auf welchem das Verfahren durchgeführt wird, ermittelt werden.

Die Kräuselung von Haaren kann beispielsweise mit Hilfe von Bildbearbeitungs- und Bildverarbeitungsverfahren bestimmt werden. Dazu fotografiert der Anwender des Verfahrens zumindest einen Teil der Haare des Individuums. Geeignete Bildbearbeitungs- und Bildverarbeitungsprogramme wie „ImageJ“ bestimmen mit Hilfe geeigneter Plug-Ins den linearen Anteil im Bild. Glattes Haar führt zu einem hohen Anteil an Linearität, stark gekräuseltes Haar zu einem geringen Anteil an Linearität. Der Kräuselungsgrad kann bevorzugt in „% Kräuselung“ angegeben werden.

Das Bildbearbeitungs- und Bildverarbeitungsprogramm zur Bestimmung der Kräuselung kann Bestandteil der App zur Durchführung des Verfahrens zur individualisierten Haarbehandlung sein. Alternativ kann die Bestimmung der Kräuselung mit Hilfe von Bildbearbeitungs- und Bildverarbeitungsverfahren mittels separater Verfahren durchgeführt werden. Vorteilhaft wird das separate Verfahren durch eine App, welche sich auch auf der mobilen Datenverarbeitungsvorrichtung, insbesondere dem smarten Endgerät, welche zur Durchführung des Verfahrens zur individualisierten Haarbehandlung eingesetzt wird, durchgeführt.

Die Bestimmung der Kräuselung kann über weitere separate Verfahren, welche nicht mit dem Verfahren zur individualisierten Haarbehandlung in Verbindung stehen, oder auch empirisch erfolgen.

Die Information über die Kräuselung kann über eine geeignete Schnittstelle, beispielsweise ein Eingabefenster, welches sich auf dem smarten Endgerät bei der Durchführung des Verfahrens zur individualisierten Haarbehandlung öffnet, bereitgestellt werden. Das Eingabefenster kann dabei relative Kräuselungsgrade, wie beispielsweise „gar nicht“, „schwach“, „leicht“, „mittel“, „stark“ und „sehr stark“, vorgeben und der Anwender des Verfahrens wählt die subjektiv bestimmte Kräuselung aus. Im Fall einer durch ein separates Verfahren bestimmten, prozentualen Kräuselung, kann ein konkreter Zahlenwert, beispielsweise „20 %“, eingegeben werden.

Die Dicke kann beispielsweise mit Hilfe eines Zubehörs für smarte Endgeräte bestimmt werden. Dazu wird beispielsweise ein Mikroskop-Aufsatz über die Linse des smarten Endgeräts geklemmt. Beispiele für solche Mikroskop-Aufsätze für smarte Endgeräte sind das „Nurugo Micro“ der Firma Nurugo oder „µPeek“ des Herstellers Scrona. Der Anwender des Verfahrens bestimmt vor oder nach der Aufnahme von Nahinfrarot- und/oder Infrarotspektren der Keratinfasern des Individuums (Schritt d) auch die Dicke der Keratinfasern des Individuums. Dazu fotografiert er mit Hilfe eines Mikroskop-Aufsatzes 2 bis 20, vorzugsweise 3 bis 15 und insbesondere bevorzugt 5 bis 10, verschiedene Keratinfasern zusammen mit einer Größenreferenz. Mit einer Auswertungssoftware, welche in der App zur Durchführung des Verfahrens zur individualisierten Haarbehandlung integriert sein kann, wird die durchschnittliche Haardicke des Individuums bestimmt.

Ein weiteres, alternatives Verfahren zur Bestimmung der Haardicke, welches mit geeignetem Zubehör durch ein smartes Endgerät durchgeführt werden kann, beinhaltet die Beugung von Laserlicht.

Die Bestimmung der Haardicke kann über separate Verfahren, welche nicht mit dem Verfahren zur individualisierten Haarbehandlung in Verbindung stehen, oder auch empirisch erfolgen.

Die Information über die Haardicke kann über eine geeignete Schnittstelle, beispielsweise ein Eingabefenster, welches sich auf dem smarten Endgerät bei der Durchführung des Verfahrens zur individualisierten Haarbehandlung öffnet, bereitgestellt werden. Das Eingabefenster kann dabei relative Haardicken, wie beispielsweise „dünn“, „normal“ und „dick“, vorgeben und der Anwender des Verfahrens wählt die subjektiv bestimmte Haardicke aus. Im Fall einer durch ein separates Verfahren bestimmten, absoluten Haardicke, kann ein Zahlenwert, beispielsweise 80 µm, eingegeben werden.

Dicke Haare und (sehr) stark gekräuselte Haare benötigen zur optimalen Pflege Haarpflegeprodukte mit einem hohen Anteil an Fett- oder Öl-haltigen Inhaltsstoffen, während für dünne und/oder glatte Haare Haarpflegeprodukte mit einem niedrigen Anteil an Fett- oder Öl-haltigen Inhaltsstoffen vorteilhaft sind.

Der Einsatz von Wasserstoffperoxid in einem stark alkalischen Milieu führt bei Blondierungen und oxidativen Färbungen in den meisten Fällen zu einer (weiteren) Schädigung der so behandelten Keratinfasern. Um eine Schädigung zu vermeiden oder zu reduzieren, enthalten Mittel zur Blondierung und/oder zum oxidativen Färben oftmals selber auch Pflegestoffe.

In einer besonders bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens umfasst die individuelle Behandlungsanweisung in Abhängigkeit des ermittelten Schädigungsgrads und in Abhängigkeit der Dicke und/oder der Kräuselung die Empfehlung von Blondiermitteln und/oder Haarfärbemitteln und/oder Haarpflegeprodukten mit einem auf den Schädigungsgrad und die Dicke und/oder Kräuselung der Keratinfasern abgestimmten Gehalt an Fett- oder Öl-haltigen Inhaltsstoffen.

Fett- und Öl-haltige Inhaltsstoffe umfassen insbesondere Glycerinmono-, -di- oder-triester mit Fettsäuren, Fettsäuren, Fettalkohole, Fettsäuremono- oder -diester mit Fettalkoholen, Pflanzenöle, mineralische Öle, natürliche Wachse und synthetische Wachse.

Eine weitere wichtige Eigenschaft der Keratinfasern, die Einfluss auf den Erfolg einer Behandlung der Keratinfasern nimmt, ist der Grauanteil. Der Grauanteil von Keratinfasern hat insbesondere eine Auswirkung auf das Ergebnis einer Blondierung oder eines oxidativen Färbeprozesses.

Die Bestimmung des Grauanteils kann über separate Verfahren, welche nicht mit dem Verfahren zur individualisierten Haarbehandlung in Verbindung stehen, oder auch empirisch erfolgen.

Die Bestimmung des Grauanteils kann beispielsweise mit Hilfe von Bildbearbeitungs- und Bildverarbeitungsverfahren bestimmt werden. Dazu fotografiert der Anwender des Verfahrens zumindest einen Teil der Keratinfasern des Individuums. Vorzugsweise beinhaltet der fotografierte Teil der Keratinfasern weite Teile des Ansatzes. Geeignete Bildbearbeitungs- und Bildverarbeitungsprogramme bestimmen den Grauanteil im Bild. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist die Bestimmung des Grauanteils integraler Bestandteil des Verfahrens zur individualisierten Haarbehandlung und wird von der App, welche das Verfahren zur individualisierten Haarbehandlung durchführt, durchgeführt.

Die Information über den Grauanteil kann auch über eine geeignete Schnittstelle, beispielsweise ein Eingabefenster, welches sich auf dem smarten Endgerät bei der Durchführung des Verfahrens zur individualisierten Haarbehandlung öffnet, bereitgestellt werden. Das Eingabefenster kann dabei prozentuale Grauanteile, wie beispielsweise „10%“, „30%“, „50%“, „70%“, „90%“ und „100%“ vorgeben und der Anwender des Verfahrens wählt den subjektiv bestimmten Grauanteil aus. Im Fall eines durch ein separates Verfahren bestimmten, prozentualen Grauanteil, kann ein Zahlenwert, beispielsweise „68 %“, eingegeben werden.

Graue Haare nehmen die beim oxidativ Färben eingesetzten Oxidationsfarbstoffvorprodukte meist schlechter auf als pigmentreichere Haare. Dies führt je nach Grauanteil der Haare zu unterschiedlichen Färberesultaten.

Bei Individuen mit (sehr) stark geschädigtem Haar und keinem oder geringen Grauanteil kann deshalb die individuelle Behandlungsanweisung darin bestehen, dem Individuum vom Einsatz von Blondiermitteln und/oder Färbemitteln abzuraten und zum Einsatz von Färbungen ohne oxidative Behandlung, beispielsweise Tönungen oder Intensiv-Tönungen zu raten.