Title:
Magnetanordnung mit Feldformelement zur Reduktion der radialen Feldkomponente im Bereich einer HTS Sektion
Document Type and Number:
Kind Code:
A1

Abstract:

Eine längs einer Axialrichtung aufgebaute supraleitfähige Magnetspulenanordnung mit mindestens einer solenoidförmigen Spulensektion (1a, 1b, 1c), die mit einem HTS-Bandleiter gewickelt ist, sowie mit einer mindestens zwei Feldformelemente (2a, 2b, 2c) umfassenden Feldformvorrichtung ist dadurch gekennzeichnet, dass jeweils mindestens ein Feldformelement an die beiden axialen Enden der HTS-Spulensektion angrenzend angeordnet ist, wobei die Feldformelemente derart ausgestaltet sind, dass sie den Feldwinkel des von der Magnetspulenanordnung erzeugten Magnetfelds bezüglich der Axialrichtung im Bereich der HTS-Spulensektion um mindestens 1,5° verkleinern. Mit dieser erfindungsgemäßen Magnetspulenanordnung sowie einem Verfahren zu deren Design mit einfachen, allgemein zur Verfügung stehenden technischen Mitteln lassen sich die Einschränkungen von bekannten gattungsgemäßen Anordnungen, welche typischerweise an den axialen Enden der Spule auftreten, deutlich abmildern oder gänzlich vermeiden, wobei die mit der Spule erzeugbare Magnetfeldstärke erheblich erhöht und die Magnetspulenanordnung besonders kompakt gestaltbar wird.





Inventors:
Wikus, Patrick, Dr. (Nürensdorf, CH)
Niemann, Volker, Dr. (75228, Ispringen, DE)
Frantz, Wolfgang, Dr. (76137, Karlsruhe, DE)
Dumm, Michael, Dr. (76137, Karlsruhe, DE)
Wagenknecht, Michael, Dr. (Zürich, CH)
Application Number:
DE102016208225A
Publication Date:
11/16/2017
Filing Date:
05/12/2016
Assignee:
Bruker BioSpin GmbH, 76287 (DE)
International Classes:
H01F6/06; G01R33/3815
Domestic Patent References:
DE102013220142A1N/A2015-04-09
DE10260728A1N/A2004-08-19
Foreign References:
5659277
JP2001264402A2001-09-26
Other References:
NOGUCHI, So; YAMASHITA, Hideo; ISHIYAMA, Atsushi: An optimal design method for SMES coils using HTS tapes. In: IEEE Transactions on Applied Superconductivity, 12, 2002, 1, 1459-1462. - ISSN 1051-8223
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POLAK, M. [et al.]: Effect of Ferromagnetic Rings on Critical Current and AC Losses of a Coil Made From Bi-2223/Ag Tape. In: IEEE Transactions on Applied Superconductivity, 12, 2002, 1, 1632-1634. - ISSN 1051-8223
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Attorney, Agent or Firm:
Kohler Schmid Möbus Patentanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB, 70563, Stuttgart, DE
Claims:
1. Längs einer Axialrichtung aufgebaute supraleitfähige Magnetspulenanordnung mit mindestens einer solenoidförmigen Spulensektion (1; 1a, 1b, 1c), die mit einem HTS(= Hochtemperatursupraleiter)-Bandleiter gewickelt ist, sowie mit einer mindestens zwei Feldformelemente (2; 2a, 2b, 2c) umfassenden Feldformvorrichtung, dadurch gekennzeichnet, dass jeweils mindestens ein Feldformelement (2; 2a, 2b, 2c) an die beiden axialen Enden der HTS-Spulensektion (1; 1a, 1b, 1c) angrenzend angeordnet ist, wobei die Feldformelemente (2; 2a, 2b, 2c) derart ausgestaltet sind, dass sie den maximalen Feldwinkel des von der Magnetspulenanordnung erzeugten Magnetfelds bezüglich der Axialrichtung im Bereich der HTS-Spulensektion (1; 1a, 1b, 1c) um mindestens 1,5° verkleinern.

2. Magnetspulenanordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Feldformvorrichtung Feldformelemente (2; 2a, 2b, 2c) umfasst, welche aus einem magnetischen Material, insbesondere aus ferromagnetischem Material wie etwa Eisen, aufgebaut sind.

3. Magnetspulenanordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Längenverhältnis der HTS-Spulensektion (1; 1a, 1b, 1c) zu einem Feldformelement (2; 2a, 2b, 2c) zwischen 1:2 und 1:5 beträgt.

4. Magnetspulenanordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die HTS-Spulensektion (1; 1a, 1b, 1c) von den Feldformelementen (2; 2a, 2b, 2c) durch einen oder mehrere Flansche (3a, 3b) räumlich getrennt ist, deren Dicke vorzugsweise zwischen 2 mm und 10 mm beträgt.

5. Magnetspulenanordnung nach einem der vorgenannten Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die maximale Feldstärke am magnetischen Zentrum der Magnetspulenanordnung mindestens 27 T und darüber, beträgt.

6. Magnetspulenanordnung nach einem der Ansprüche 1, 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Feldformvorrichtung Feldformelemente umfasst, welche mindestens eine mit einem LTS(= Tieftemperatursupraleiter)-Draht gewickelte LTS-Spulensektion (2') enthalten.

7. Magnetspulenanordnung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die LTS-Spulensektionen (2') der Feldformvorrichtung mit den HTS-Spulensektionen (1; 1a, 1b, 1c) elektrisch verbunden, insbesondere in Serie geschaltet sind, wobei der HTS-Bandleiter und der LTS-Draht durch einen Joint (4a, 4b) verbunden sind.

8. Magnetspulenanordnung nach einem der Ansprüche 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass der LTS-Draht eine Legierung mitden Elementen Nb und Sn enthält.

9. Magnetspulenanordnung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Feldformelemente (2; 2a, 2b, 2c) axial so nahe am magnetischen Zentrum der Magnetspulenanordnung angeordnet sind, dass die maximale lokale Feldstärke, der der LTS-Draht im Betrieb ausgesetzt ist, 23,5 T beträgt.

10. Magnetspulenanordnung nach einem der Ansprüche 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Feldformelemente (2; 2a, 2b, 2c) in einem Bereich angeordnet sind, in welchem der Feldwinkel des von der Magnetspulenanordnung erzeugten Magnetfelds bezüglich der Axialrichtung des Magnetfelds größer als 5° ist, insbesondere zwischen 10° und 15°, der absolute Betrag des Magnetfelds in diesem Bereich aber unterhalb des kritischen Felds des eingesetzten LTS-Leitermaterials liegt.

11. Magnetspulenanordnung nach einem der Ansprüche 6 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Verhältnis der axialen Länge der Feldformelemente mit LTS-Spulensektionen (2') zur axialen Länge der jeweils benachbarten HTS-Spulensektion (1; 1a, 1b, 1c) zwischen 1:3 und 1:8, vorzugsweise etwa 1:5, beträgt.

12. Magnetspulenanordnung nach einem der Ansprüche 6 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die LTS-Feldformelemente (2') ungefähr die gleichen Innen- und Außendurchmesser aufweisen wie die jeweilige die HTS-Spulensektion (1; 1a, 1b, 1c), an die sie angrenzen.

13. Magnetspulenanordnung nach einem der Ansprüche 6 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens zwei benachbart angeordnete Stacks (5a, 5b) mit alternierenden LTS-HTS-LTS-Leitern vorhanden sind, und dass die Stacks (5a, 5b) in der Weise elektrisch miteinander verbunden sind, dass eine Stromführung von einem ersten LTS-HTS-LTS-Stack (5a) und dann zurück durch einen benachbarten LTS-HTS-LTS Stack (5b) verläuft.

14. Magnetspulenanordnung nach einem der Ansprüche 6 bis 13, hergestellt durch ein Verfahren umfassend die folgenden Verfahrensschritte:
i) Wickeln der Feldformelemente aus LTS-Halbzeug enthaltend ein Gemisch aus Nb und Sn,
ii) Reagieren von Nb und Sn zum fertigen LTS-Draht durch Erhitzen des gewickelten LTS-Halbzeugs auf eine Temperatur > 520°C,
iii) Verlöten eines inneren Endes des LTS-Drahts eines ersten Feldformelements mit dem ersten Ende des HTS Bandleiters,
iv) Wickeln der HTS Spulensektion, und
v) Verlöten des äußeren Endes des LTS-Drahts des zweiten Feldformelements mit dem äußeren Ende des HTS Bandleiters.

15. Magnetresonanz-Spektrometer mit einer Magnetspulenanordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche.

Description:

Die Erfindung betrifft eine längs einer Axialrichtung aufgebaute supraleitfähige Magnetspulenanordnung mit mindestens einer solenoidförmigen Spulensektion, die mit einem HTS(= Hochtemperatursupraleiter)-Bandleiter gewickelt ist, sowie mit einer mindestens zwei Feldformelemente umfassenden Feldformvorrichtung.

Eine solche Magnetspulenanordnung ist beispielsweise bekannt aus DE 10 2013 220 142 A1 oder JP 2001-264402 A.

Hintergrund der Erfindung

Supraleitende NMR Magnete werden üblicherweise aus NbTi oder Nb3Sn Drähten gefertigt. Aufgrund der Beschränkung, die das kritische Magnetfeld von Nb3Sn verursacht, ergibt sich derzeit eine obere Grenze von etwa 23,5 T für die maximal erreichbare Feldstärke. Dies entspricht in der NMR einer Protonenresonanzfrequenz von 1000 MHz.

Um höhere Feldstärken zu erreichen und/oder um einen Magnet gegebener Feldstärke kompakter gestalten zu können, muss auf alternative Leitermaterialien zurückgegriffen werden. Erforscht wird in diesem Zusammenhang derzeit hauptsächlich der Einsatz von HTS Bandleitern (z. B. ReBCO, BSCCO oder Eisen-Pniktide). Dabei wird der Magnet nicht komplett aus HTS Materialien gefertigt. Aus Kostengründen ist es vielmehr vorteilhaft, nur für die innersten Sektionen HTS Material zu verwenden, und den Hintergrundmagneten in konventioneller „Low-Temperature-Superconductor” (LTS) Technologie (also mit NbTi und/oder Nb3Sn) zu fertigen.

Üblicherweise wird eine Magnetsektion aus HTS Bandmaterial gewickelt, und dann mit einem LTS Hintergrundmagnet in Serie geschaltet. Die Stromtragfähigkeit von HTS Bandleitern (bzw. deren „kritischer Strom” IC) hängt nicht nur von der Stärke des Magnetfelds ab, in dem sich der Leiter befindet, sondern auch von der Orientierung des Feldes. Verlaufen die Feldlinien parallel zur Oberfläche des Bandes, ist der kritische Strom IC hoch; verlaufen die Feldlinien in einem Winkel zur Oberfläche des Bandes, sinkt IC mit zunehmendem Winkel ab.

In einem NMR Magnet, der im Allgemeinen aus solenoidförmigen Spulensektionen aufgebaut ist, verlaufen die Feldlinien im Zentrum der Spulensektionen parallel zur Achse des Magneten. Zum Rand der solenoidförmigen Spulensektionen hin nimmt die radiale Komponente des Felds zu (siehe 3a). Hier ist die IC-Auslastung des HTS-Leiters demnach am höchsten.

Die Stromzuleitungen zur HTS Sektion müssen ebenfalls durch einen Bereich geführt werden, in dem hohe radiale Feldkomponenten herrschen. Die Führung des Leiters erfolgt typischerweise entlang eines komplex geformten Pfades, so dass sichergestellt wird, dass der Winkel zwischen HTS-Band und Feldlinie minimal ist.

Spezieller Stand der Technik

In DE 102 60 728 A1 wird ein Verfahren vorgestellt für den idealen Verlauf eines HTS Bandleiters, wie er aus einer Spulenwicklung in einem vorgegebenen Pfad herausgeführt wird. Die zugrunde liegende Problematik ist hier, dass das HTS Band einem gekrümmten Feld ausgesetzt ist.

Die eingangs zitierte DE 10 2013 220 142 A1 offenbart eine gattungsgemäße Magnetanordnung mit einem HTS-Bandleiter und einem LTS Draht, die elektrisch in Serie geschaltet sind mittels eines Joints. Die HTS-Spule bildet hierbei die innere Sektion der koaxial angeordneten Spulen. Der Joint befindet sich außerhalb des parallelen B0-Feldes, wo das Magnetfeld eine deutlich radiale Komponente aufweist. Aufgrund der Geometrie des HTS-Bandleiters, ist der Verlauf des HTS Bandes dem lokalen Winkel des Magnetfeldes angepasst, so dass die Bandebene und die Feldlinien parallel zueinander ausgerichtet sind und die Stromtragfähigkeit des HTS Bandes optimiert wird. Allerdings wird hier nicht thematisiert oder gar aufgezeigt, inwiefern das B0-Feld an den Randbereichen der Solenoidwicklung beeinflusst werden kann, um eine Radialkomponente am HTS Bandleiter zu minimieren.

Die ebenfalls eingangs zitierte JP 2001-264402 A offenbart eine supraleitende Magnetanordnung, die ebenfalls aus mehreren koaxial angeordneten Solenoid-Magneten aufgebaut ist. Die innere Spule ist aus einem HTS Material hergestellt. Ziel des Magnetaufbaus ist es, ein besonders homogenes Magnetfeld bereitzustellen. Hierfür werden auch sogenannte correction coils 3a–3c aus supraleitendem Material außerhalb der Hauptspulensektionen angeordnet, deren Aufgabe darin besteht, das Feld eben zu homogenisieren. Kein Thema in diesem Dokument ist jedoch die Problematik am Randbereich des HTS Bandleiters. Dies ist auch daraus zu erkennen, dass die Korrekturspulen nicht am Randbereich angeordnet sind. Des Weiteren liegen hier die Korrekturspulen so weit außen, dass sie nicht besonders effizient sind.

Die gegenwärtig im Stand der Technik eingesetzten Lösungen weisen mehrere Nachteile auf:

  • • Die an den Leiter gestellte IC Anforderung werden durch die Teile der HTS Sektion, die großen radialen Feldkomponenten ausgesetzt ist, bestimmt (üblicherweise am Rand der solenoidförmigen HTS Sektion – dort ist der Leiter am höchsten ausgelastet). Die resultierenden hohen Anforderungen wirken sich negativ auf Leiterpreis und dessen kommerzielle Verfügbarkeit aus.
  • • Die Führung des Leiters vom und zum Wickelpaket erfolgt entlang eines komplex geformten Pfades (siehe etwa DE 102 60 728 A1), was aufwendig und platzintensiv ist.
  • • In den Bereichen der HTS Sektion, die großen radialen Feldkomponenten ausgesetzt sind, bilden sich in den HTS-Bandleitern Abschirmströme („screening currents”), die ihrerseits das Magnetfeld beeinflussen und (insbesondere bei der NMR hochgradig unerwünschte) Inhomogenitäten hervorrufen.

Aufgabe der Erfindung

Der vorliegenden Erfindung liegt demgegenüber die Aufgabe zugrunde, eine supraleitfähige Magnetspulenanordnung der eingangs definierten Art sowie ein Verfahren zu deren Design mit möglichst einfachen, allgemein zur Verfügung stehenden technischen Mitteln so zu modifizieren, dass die oben diskutierten Einschränkungen von derartigen supraleitfähigen Magnetspulenanordnungen, welche typischerweise an den axialen Enden der HTS Sektion auftreten, deutlich abgemildert oder möglichst gänzlich vermieden werden, und dass die mit der Spule erzeugbare Magnetfeldstärke erheblich erhöht wird, wobei die Magnetspulenanordnung besonders kompakt gestaltbar sein soll.

Kurze Beschreibung der Erfindung

Diese Aufgabe wird auf ebenso überraschend einfache wie wirkungsvolle Weise sowie mit ohne Weiteres zur Verfügung stehenden technischen Mitteln durch eine supraleitfähige Magnetspulenanordnung der eingangs definierten Art gelöst, welche sich dadurch auszeichnet, dass jeweils mindestens ein Feldformelement an die beiden axialen Enden der HTS-Spulensektion angrenzend angeordnet ist, wobei die Feldformelemente derart ausgestaltet sind, dass sie den maximalen Feldwinkel des von der Magnetspulenanordnung erzeugten Magnetfelds bezüglich der Axialrichtung im Bereich der HTS-Spulensektion um mindestens 1,5° verkleinern.

Wirkungsweise der Erfindung und weitere Vorteile gegenüber dem Stand der Technik

Unter gewissen Umständen ist die Stromtragfähigkeit von Spulen, die aus anisotropem Supraleiter gewickelt sind, an den axialen Enden durch die Magnetfeldkomponente in radialer Richtung limitiert. Die vorliegende Erfindung schlägt eine supraleitfähige Magnetspulenanordnung mit speziell ausgestalteten Feldformelementen vor, welche es ermöglichen, die Stromtragfähigkeit der Spule zu erhöhen.

Die Stromtragfähigkeit des Supraleiters an den axialen Spulenenden wird erhöht, indem axial oberhalb und unterhalb der solenoidförmigen HTS-Spule Feldformelemente angeordnet sind, die den Feldwinkel des Magnetfelds bezüglich der Axialrichtung im Bereich der HTS-Sektion entscheidend verkleinern.

Dadurch wird die radiale Feldkomponente, die auf den HTS Bandleiter wirkt, verringert. Das hat mehrere Vorteile:
Der kritische Strom eines HTS Bandes hängt nicht nur von der Temperatur und vom Feld ab, sondern auch vom Feldwinkel. Wenn der Feldwinkel kleiner wird, steigt der kritische Strom (siehe 3b). Man kann also entweder stärkere Magnete bauen oder kostengünstigeres Leitermaterial verwenden.

Die radiale Feldkomponente erzeugt im HTS Abschirmströme, die wiederum auf das Feld im Probenvolumen zurückwirken und Inhomogenitäten hervorrufen. Mit Hilfe der Erfindung können diese zusätzlichen Feldinhomogenitäten vermieden werden.

Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemäßen Anordnung besteht in der gleichmäßigeren Verteilung der Stromtragfähigkeit des Supraleiters in der gesamten Spule. Dadurch wird der Supraleiter für den Stromfluss besser ausgenutzt, die Spule kann bei einem höheren Strom betrieben werden. Die benötigte Qualität des HTS Leiters (insbesondere in Hinsicht auf Ic) und/oder -menge und somit die Herstellungskosten sind folglich geringer als bei vergleichbaren herkömmlichen Anordnungen. Andererseits kann mit derselben Supraleiterqualität und/oder -menge ein höheres Magnetfeld im Spulenzentrum erzeugt werden.

Dies alles kann erfindungsgemäß durch geeignet ausgebildete Feldformelemente aus einem magnetischen Material erreicht werden. Bei den Feldformelementen kann es sich aber auch um Wicklungen aus LTS-Material handeln. Der gesamte Magnet kann dann so konstruiert werden, dass derartige LTS Feldform-Windungen in einem Bereich liegen, in dem die radiale Feldkomponente hoch, der absolute Feldbetrag aber unterhalb des kritischen Felds des eingesetzten LTS Leiters ist.

Im Bereich der HTS Sektion, wo das Hintergrundfeld so groß ist, dass nur HTS-Material eingesetzt werden kann, bleiben die Radialkomponenten klein. Dort, wo die Radialkomponenten des Hintergrundfelds groß werden, ist das Feld betragsmäßig klein genug, so dass auf LTS-Materialien zurückgegriffen werden kann.

Bevorzugte Ausführungsformen und Weiterbildungen der Erfindung

Bei einer ersten Klasse von Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Magnetspulenanordnung umfasst die Feldformvorrichtung Feldformelemente, welche aus einem magnetischen Material, insbesondere aus ferromagnetischem Material wie etwa Eisen, aufgebaut sind. Wenn die Feldformelemente passiv, also nicht-stromdurchflossen sind, können sie besonders einfach und preisgünstig realisiert werden.

Besonders bevorzugt sind auch Ausführungsformen der Erfindung, bei denen das Längenverhältnis der HTS-Spulensektion zu einem Feldformelement zwischen 1:2 und 1:5 beträgt. Simulationen haben ergeben, dass dieses Längenverhältnis in Hochfeldmagneten zu einem besonders effizienten Design führt.

Weitere vorteilhafte Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Magnetspulenanordnung zeichnen sich dadurch aus, dass die HTS-Spulensektion von den Feldformelementen durch einen oder mehrere Flansche räumlich getrennt ist, deren Dicke vorzugsweise zwischen 2 mm und 10 mm beträgt. Die Kräfte im Magnet wirken so, dass Solenoide entlang ihrer Achse zusammengedrückt werden (= „axialer Druck”). Die Flansche können die Kräfte aufnehmen, mit denen die Feldformelemente in Richtung Zentrum gedrückt werden, und entlasten so die HTS-Wicklung. Außerdem helfen die Flansche zusätzlich, wenn die Feldformelemente aus LTS-Leiter aufgebaut sind: Dann bilden sie nämlich die Begrenzung für die Wickelkammern.

Vorzugsweise beträgt die maximale Feldstärke am magnetischen Zentrum der Magnetspulenanordnung mindestens 27 T. Eine Feldstärke von 20 T entspricht in etwa einem 850 MHz-Magneten. Aufgrund der – derzeitigen – Marksituation rechnet sich ab etwa dieser Frequenz der Einsatz von HTS-Bändern, und zwar vor allem deswegen, um Magnetdesigns günstig von der 2 K Technologie auf 4 K Technologie portieren zu können. Die vorliegende Erfindung trägt daher wesentlich dazu bei, einen Höchstfeldmagneten bereitzustellen, wie es ihn bisher noch nicht gibt. Eine solche Höchstfeldmagnetanordnung umfasst dann als innerste Spule einen HTS-Bandleiter, um den Feldhub auf beispielsweise 1,2 GHz zu bringen. Ein bisher erheblicher Schwachpunkt bei einer Technologie, die HTS-Bandleiter einsetzt, sind die radialen Magnetfelder, welche die Stromtragfähigkeit reduzieren. Um daher diese Radialkomponenten „geradezubiegen”, werden erfindungsgemäß randständige Feldformelemente vorgeschlagen, die entweder aus LTS-Material oder aus Eisenstrukturen hergestellt sind.

Ganz besonders bevorzugt ist eine Klasse von Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Spulenanordnung, bei denen die Feldformvorrichtung Feldformelemente umfasst, welche mindestens eine mit einem LTS(= Tieftemperatursupraleiter)-Draht gewickelte LTS-Spulensektion enthalten.

Mit LTS-Drähten lassen sich nämlich hohe Stromdichten erreichen, ohne dass der Feldwinkel einen schädlichen Einfluss auf den kritischen Strom IC hat. Mit stromdurchflossenen LTS-Leitern können besonders effiziente Feldformelemente realisiert werden.

Vorteilhafte Weiterbildungen dieser Klasse von Ausführungsformen sind dadurch gekennzeichnet, dass die LTS-Spulensektionen der Feldformvorrichtung mit den HTS-Spulensektionen elektrisch verbunden, insbesondere in Serie geschaltet sind, wobei der HTS-Bandleiter und der LTS-Draht durch einen Joint verbunden sind. Wenn die LTS-Elemente mit den HTS-Elementen elektrisch in Serie verbunden sind, ist sichergestellt, dass durch diese Magnetsektionen exakt der gleiche Strom fließt. Dadurch ist ausgeschlossen, dass sich in der Hauptspule und in den Feldformelementen z. B. durch induktive Effekte unterschiedliche Ströme ausbilden. Das hilft bei vielen Dingen, z. B. beim Aufrechterhalten der Homogenität über lange Zeit, oder in Bezug auf die Quench-Sicherheit.

Bei bevorzugten Weiterbildungen enthält der LTS-Draht eine Legierung mit, insbesondere aus, den Elementen Nb und Sn. Nb3Sn ist ein sehr leistungsfähiger LTS Supraleiter, mit dem sich außergewöhnlich hohe Stromdichten erreichen lassen. Übertroffen wird er darin nur durch HTS-Material.

Vorzugsweise sind die Feldformelemente axial so nahe am magnetischen Zentrum der Magnetspulenanordnung angeordnet, dass die maximale lokale Feldstärke, welcher der LTS-Draht im Betrieb ausgesetzt ist, 23,5 T beträgt. Bei 23,5 T erreicht man mit Nb3Sn-Material gerade noch eine vernünftig hohe Stromdichte. Wenn man die Feldformelemente also bis maximal 23,5 T einsetzt, nützt man die Eigenschaften des LTS-Leiters ideal aus.

Vorteilhaft ist auch eine Klasse von Weiterbildungen, bei denen die Feldformelemente in einem Bereich angeordnet sind, in welchem der Feldwinkel des von der Magnetspulenanordnung erzeugten Magnetfelds bezüglich der Axialrichtung des Magnetfelds besonders groß ist, insbesondere zwischen 10° und 15°, der absolute Betrag des Magnetfelds in diesem Bereich aber unterhalb des kritischen Felds des eingesetzten LTS-Leitermaterials liegt. Bei Feldwinkeln zwischen 10 und 15° leidet die Stromtragfähigkeit von HTS-Bandleitern schon merklich. Wenn in diesem Bereich LTS statt HTS Material eingesetzt werden kann, ist das deshalb sehr hilfreich.

In der Praxis bewähren sich auch Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Spulenanordnung, bei welchen das Verhältnis der axialen Länge der LTS-Feldformelemente zur axialen Länge der jeweils benachbarten HTS-Spulensektion zwischen 1:3 und 1:8, vorzugsweise etwa 1:5, beträgt. Simulationen haben ergeben, dass dieses Längenverhältnis in Hochfeldmagneten zu einem besonders effizienten Design führt.

Von großem praktischem Vorteil sind auch Ausführungsformen, die sich dadurch auszeichnen, dass die LTS-Feldformelemente ungefähr die gleichen Innen- und Außendurchmesser aufweisen wie die jeweilige die HTS-Spulensektion, an die sie angrenzen. Im Magnetdesign ist es wichtig, alles vorhandene Volumen mit stromdurchflossenem Leiter auszufüllen – Leerräume sind aus Designsicht eher ineffizient. Wenn also die LTS-Feldformelemente und die HTS-Sektionen gleiche Durchmesser haben, können etwa LTS-HTS-LTS Stacks leicht ineinander bzw. leicht in andere Spulensektionen gesteckt werden, ohne dass es Leerräume gibt.

Bei weiteren vorteilhaften Ausführungsformen sind mindestens zwei benachbart angeordnete Stacks mit alternierenden LTS-HTS-LTS-Leitern vorhanden, wobei die Stacks in der Weise elektrisch miteinander verbunden sind, dass eine Stromführung von einem ersten LTS-HTS-LTS-Stack und dann zurück durch einen benachbarten LTS-HTS-LTS Stack verläuft. So wird die Leiterführung im Magneten besonders einfach. Üblicherweise achtet man darauf, dass in einer Solenoidwicklung der Stromein- und -ausgang auf derselben Seite des Solenoids zu liegen kommen. In einer normalen Wicklung erreicht man das durch eine gerade Langenzahl (2, 4, 6, etc). Bei einem Stack ist das gerade nicht möglich. Der Strom wird daher innerhalb des Stacks nach unten geführt, und muss dann außerhalb des Stacks wieder nach oben geführt werden. Wenn zwei LTS-HTS-LTS Stacks verbaut werden, kann der Strom im ersten Stack von oben nach unten, und im zweiten Stack von unten nach oben geführt werden. Das würde man normalerweise nicht so machen. Wie oben erläutert, sitzen üblicherweise Stromeingang und -ausgang beide an der Oberseite einer Spulensektion. Damit vereinfacht sich die Arbeit zur Verbindung der Magnetsektionen untereinander. Wenn allerdings ein LTS-HTS-LTS Stack verwendet wird, ergeben sich aus so einer Stromführung neue Vorteile, die die kompliziertere Verbindung der Sektionen aufwiegen. Nämlich: Man muss sich nicht darum sorgen, wie Strom aus dem unteren LTS Paket wieder nach oben geführt wird – man macht einfach einen Joint zu einem benachbarten LTS-HTS-LTS Stack, und führt den Strom in diesem Stack nach oben.

In den Rahmen der vorliegenden Erfindung fällt auch ein Verfahren zur Herstellung einer erfindungsgemäßen Magnetspulenanordnung der oben beschriebenen Art, welches folgende Verfahrensschritte umfasst:

  • i) Wickeln der Feldformelemente aus LTS-Halbzeug enthaltend ein Gemisch aus Nb und Sn,
  • ii) Reagieren von Nb und Sn zum fertigen LTS-Draht durch Erhitzen des gewickelten LTS-Halbzeugs auf eine Temperatur > 520°C,
  • iii) Verlöten eines inneren Endes des LTS-Drahts eines ersten Feldformelements mit dem ersten Ende des HTS Bandleiters (Joint 4a),
  • iv) Wickeln der HTS Spulensektion, und
  • v) Verlöten des äußeren Endes des LTS-Drahts des zweiten Feldformelements mit dem äußeren Ende des HTS Bandleiters (Joint 4b).

So lässt sich ein LTS-HTS-LTS Stack auf erstaunlich einfache Art fertigen, wobei als LTS-Material hier Nb3Sn zum Einsatz kommt. Bei Nb3Sn ist erschwerend, dass der Leiter bei Temperaturen „reagiert” werden muss, bei denen der HTS-Leiter beschädigt wird. Es musste also ein Verfahren gefunden werden, welches es erlaubt, den Nb3Sn Leiter zuerst zu wickeln und zu reagieren, und erst danach den LTS Leiter zu wickeln und elektrisch zu verbinden.

Der Vorteil dieses Verfahrens besteht auch darin, dass es zu einem Spulendesign führt, welches eine erhöhte Stromtragfähigkeit aufweist, und dass die Spule für den Betrieb bei einer gegebenen Magnetfeldstärke eine insgesamt geringere Supraleiterqualität oder -menge benötigt als für die Ausgangsspule.

Schließlich fällt in den Rahmen der vorliegenden Erfindung auch ein Magnetresonanz-Spektrometer mit einer Magnetspulenanordnung der der oben beschriebenen erfindungsgemäßen Art.

Detaillierte Beschreibung der Erfindung und Zeichnung

Die Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und wird anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert. Es zeigen:

1a eine schematische Schnitt-Darstellung durch eine erste Ausführungsform der erfindungsgemäßen Magnetspulenanordnung in einer die Axialrichtung enthaltenden Ebene mit der relativen geometrischen Anordnung der Spulenbereiche (aus Symmetriegründen ist nur eine Hälfte der Spule dargestellt);

1b eine weitere Ausführungsform der erfindungsgemäßen Magnetspulenanordnung mit mehreren, in radialer Richtung aufeinanderfolgenden Stacks, die jeweils in Axialrichtung alternierend aus einem Feldformelement, einer HTS-Spulensektion sowie einem weiteren Feldformelement aufgebaut sind;

2a eine schematische Schnittdarstellung einer weiteren Ausführungsform der erfindungsgemäßen Magnetspulenanordnung, wobei die Anordnung einen Stack mit in Axialrichtung alternierenden LTS-HTS-LTS-Leitern bildet;

2b eine Ausführungsform mit zwei benachbart angeordneten, elektrisch miteinander verschalteten Stacks wie in 2a dargestellt;

3a den Feldverlauf entlang der z-Achse eines typischen NMR Hochfeldmagnets nach dem Stand der Technik mit einer beispielhaften Spulenlänge in der inneren Sektion von ca. 50 cm;

3b die Abhängigkeit des kritischen Stroms IC vom Hintergrundfeld für den Magnetfeldwinkel 0° (Feldlinien parallel zur HTS-Bandoberfläche) und 15°, normiert auf die maximale Stromtragfähigkeit des Bandes I0 bei B = 0 und einem Winkel von 0°; und

3c die Form einer beispielhaften Feldlinie bei einer herkömmlichen Magnetspulenanordnung nach dem Stand der Technik, wobei zum Randbereich der HTS-Sektion hin die Radialkomponente des Felds deutlich zunimmt.

Um die Funktionsweise der vorliegenden Erfindung sowie die in deren Umfeld auftretenden, mit der Erfindung behebbaren technischen Probleme zu veranschaulichen, sollen zunächst die zugrunde liegenden physikalischen Prinzipien erläutert werden:
Der Feldverlauf entlang der Axialrichtung (z) eines typischen NMR Hochfeldmagnets nach dem Stand der Technik mit einer beispielhaften Spulenlänge in der inneren Sektion von ca. 50 cm ist in 3a gezeigt: Außerhalb des homogenen Plateaus fällt das Feld stark ab. Schon bei einer Position 25 cm oberhalb und unterhalb des magnetischen Zentrums ist das Feld auf ca. die Hälfe seines Maximalwerts gefallen. Das bedeutet, dass bei einem maximalen Feld von 28 T im magnetischen Zentrum der 80%-Wert 22,4 T beträgt, also ein Wert, bei welchem ein üblicher Nb3Sn Leiter noch eine ausreichende Stromtragfähigkeit hat.

Die Abhängigkeit des kritischen Stroms IC vom Hintergrundmagnetfeld ist in 3b exemplarisch für zwei verschiedene Feldwinkel (15° und 0° = Feldlinien verlaufen parallel zur HTS-Bandoberfläche) dargestellt, normiert auf die maximale Stromtragfähigkeit des Bandes I0 bei B = 0 und einem Winkel von 0°.

In 3c ist die Form einer beispielhaften Feldlinie bei einer herkömmlichen Magnetspulenanordnung nach dem Stand der Technik gezeigt, wobei zum Randbereich der HTS-Sektion hin die Radialkomponente des Felds deutlich zunimmt. Die Magnetspulenanordnung kann in ihrem bezüglich der Axialrichtung z radial äußeren Teil eine oder mehrere Spulenwicklungen mit üblichem LTS-Draht aufweisen, dadurch würde sich der Feldlinienverlauf geringfügig ändern. Es ist in 3c gut zu erkennen, dass die Radialkomponenten der Feldlinien im Randbereich der HTS-Spule deutlich zunehmen.

Die in den 1a, 1b, 2a und 2b schematisch dargestellten Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Magnetspulenanordnung sind ebenfalls jeweils längs einer Axialrichtung z aufgebaut und umfassen mindestens eine solenoidförmigen HTS-Spulensektion 1; 1a, 1b, 1c. Außerdem ist jeweils eine mindestens zwei Feldformelemente 2; 2a, 2b, 2c umfassende Feldformvorrichtung vorgesehen.

Die erfindungsgemäße Magnetspulenanordnung zeichnet sich dadurch aus, dass jeweils mindestens ein Feldformelement 2; 2a, 2b, 2c an die beiden axialen Enden der HTS-Spulensektion 1; 1a, 1b, 1c angrenzend angeordnet ist, wobei die Feldformelemente 2; 2a, 2b, 2c derart ausgestaltet sind, dass sie den Feldwinkel des von der Magnetspulenanordnung erzeugten Magnetfelds bezüglich der Axialrichtung im Bereich der HTS-Spulensektion 1; 1a, 1b, 1c um mindestens 1,5° verkleinern. Dabei können die Feldformelemente 2; 2a, 2b, 2c aus einem magnetischen Material, insbesondere aus ferromagnetischem Material wie etwa Eisen, aufgebaut sein, aber auch eine oder mehrere mit einem Tieftemperatursupraleiter-Draht gewickelte LTS-Spulensektionen 2' enthalten, welche mit den HTS-Spulensektionen 1; 1a, 1b, 1c elektrisch verbunden, insbesondere in Serie geschaltet sind, wobei jeweils der HTS-Bandleiter und der LTS-Draht durch einen Joint 4a, 4b miteinander verbunden sind. Die HTS-Spulensektionen 1; 1a, 1b, 1c können von den Feldformelementen 2; 2a, 2b, 2c in axialer Richtung durch einen oder mehrere Flansche 3a, 3b räumlich getrennt angeordnet sein.

Während 1a eine besonders einfache Ausführungsform der erfindungsgemäßen Magnetspulenanordnung zeigt, ist in 1b eine weitere Ausführungsform dargestellt, welche mehrere, in radialer Richtung aufeinanderfolgende Einheiten aufweist, die jeweils in Axialrichtung alternierend aus einem Feldformelement 2a, 2b, 2c, einer HTS-Spulensektion 1a, 1b, 1c sowie einem weiteren Feldformelement 2a, 2b, 2c aufgebaut sind.

2a zeigt eine weitere Ausführungsform der erfindungsgemäßen Magnetspulenanordnung, bei die HTS-Spulensektion 1 mit den in axialer Richtung jeweils angrenzenden, durch Flansche 3a, 3b räumlich getrennte, aber mittels Joints 4a, 4b elektrisch verbundene LTS-Feldformelemente 2' auf einem gemeinsamen Spulenkörper 6 aufgewickelt sind. Die Anordnung bildet also einen Stack mit in Axialrichtung alternierenden LTS-HTS-LTS-Leitern.

In 2b schließlich ist eine Ausführungsform mit zwei benachbart angeordneten, elektrisch miteinander verschalteten Stacks 5a, 5b dargestellt, welche dieselbe Struktur aufweisen, wie die Anordnung in 2a.

Nach dem oben beschriebenen erfindungsgemäßen Prinzip ist eine Vielzahl von Konfigurationen möglich, zum Beispiel auch eine, in der die Feldformspulen dort länger ausgeführt werden, wo die Feldwinkel höher sind (typischerweise in den äußeren HTS Sektion) und kürzer, wo das Hintergrundfeld höher ist (typischerweise in den inneren HTS Sektionen):
Die HTS Sektion kann mit den LTS ”Feldformspulen” auch direkt elektrisch verbunden werden, so dass die HTS Stromzuführungen zur HTS Sektion entfallen können.

Da die HTS Sektion sehr kleinen radialen Feldkomponenten ausgesetzt ist, bauen sich nur sehr schwache Abschirmströme auf, und die Homogenität des Magnets verbessert sich.

Das LTS-Material Nb3Sn, das im Magnetbau oft eingesetzt wird, muss nach dem Aufwickeln des Leiters auf den Spulenkörper temperaturbehandelt werden. Diese Temperaturbehandlung findet bei > 520°C statt. Da HTS Leiter solchen Temperaturen nicht standhalten können, muss die Spulensektion dann so konstruiert werden, dass zuerst der Nb3Sn Leiter auf den Spulenkörper 6 in die zwei dafür vorgesehenen Kammern gewickelt werden kann, wonach die Temperaturbehandlung erfolgt. Der HTS Leiter wird nach der Temperaturbehandlung auf den Spulenkörper gewickelt, und kann zum Beispiel mit dem Nb3Sn Leiter verbunden werden.

Auch mehrere auf solche Art gefertigte Spulensektionen können zu einem Magnetsystem verschaltet werden.

Werden für die Feldformspulen Nb3Sn Leiter eingesetzt, werden die Feldformspulen bevorzugt axial so weit an das magnetische Zentrum herangezogen, bis die maximale lokale Feldstärke, der der Nb3Sn Leiter ausgesetzt ist, 22,5 T beträgt. Dies garantiert, dass im Nb3Sn Leiter noch ausreichend hohe Stromtragfähigkeit vorhanden ist. Im vorliegenden Beispiel nach 3a läge der Abstand der Feldformspule zum magnetischen Zentrum bei etwa 17 cm.

Der maximale Feldwinkel in diesem Bereich, also bei der radial innersten Wicklung an den axial äußeren Enden der Spule, liegt – je nach Magnetdesign – typischerweise zwischen 5 und 15 Grad. Durch die Feldformelemente lässt sich der Feldwinkel im HTS Bereich um typischerweise 2 bis 4 Grad verringern, was die Stromauslastung des HTS Leiters (I/Ic) um mindestens 20 Prozent verringert. Gleichzeitig verbessert sich durch die Reduktion der Abschirmströme die Homogenität des Magnets um etwa 25%.

Typischerweise haben die Feldformspulen ungefähr den gleichen Innen- und Außendurchmesser wie das HTS Wickelpaket, das sie umgeben, denn man zielt darauf ab, möglichst das gesamte freie Volumen zu Magnetwicklungen zu verwenden um die Feldstärke zu maximieren. Im Falle eines UHF NMR Magneten der derzeitigen Generation beträgt bei einer Standardbore-Ausführung der Innendurchmesser des HTS Wickelpakets etwa 80 mm, der Außendurchmesser etwa 160 mm und bei einer Widebore-Ausführung der Innendurchmesser etwa 115 mm, der Außendurchmesser etwa 180 mm.

Das Längenverhältnis eines Feldformelementes zur HTS Spule beträgt in der inneren Sektion etwa 1:5; die Feldformelemente der äußeren Sektionen können auch länger ausgeführt sein, da dort das Magnetfeld geringer ist und somit die Stromtragfähigkeit im LTS noch gegeben ist.

Wie bereits oben erwähnt, können die Feldformspulen und das HTS Wickelpaket in Axialrichtung durch Flansche 3a, 3b räumlich voneinander getrennt werden. Ein Flansch ist eine fest mit dem Spulenkörper 6 verbundene umlaufende Verstärkungsscheibe. Diese Flansche nehmen zumindest teilweise den zum magnetischen Zentrum gerichteten axialen Druck auf, der in den Nb3Sn Wickelpaketen entsteht (typischerweise zwischen 5 und 15 MPa). Es gilt normalerweise, möglichst jeden Druck auf die HTS-Wicklung zu vermeiden. Die Flansche haben bevorzugt eine Dicke zwischen 2 und 10 mm. Ist die Dicke kleiner als 2 mm, ist der Flansch zu schwach um dem Druck der Feldformelemente zu widerstehen. Ist der Flansch > 10 mm, ist der Spalt zwischen den Wicklungen so groß, dass magnetische Feldlinien durch den Spalt abknicken können, wodurch wiederum radiale Feldkomponenten auf die HTS Spule wirken können, was eigentlich vermieden werden soll.

Eine mögliche Verstimmung der Homogenität, die durch die Zinnspulen (Feldformelemente) hervorgerufen wird, kann durch geeignete Ausbildung des Notches oder durch Shims aus einem ferromagnetischen Material korrigiert werden. Diese Korrekturmöglichkeiten sind dem Fachmann per se bekannt.

Die radialen Feldkomponenten, die auf die HTS Sektion(en) wirken, können auch reduziert werden, indem die LTS Sektionen 0 des Magneten ausreichend lang gestaltet werden. Dies wirkt sich allerdings negativ auf die Baugröße, die Masse und die Kosten des Magnets aus. Alternativ kann die HTS Sektion sehr kurz ausgeführt werden. Dann trägt sie allerdings weniger zum Feldhub bei, was den Magnet ineffizient macht. Außerdem wird so die Homogenisierung des Magnets deutlich erschwert.

Ein wesentlicher Vorteil der erfindungsgemäßen Anordnung besteht unter anderem in der gleichmäßigeren Verteilung der Stromtragfähigkeit des Supraleiters in der gesamten Spule. Dadurch wird der Supraleiter besser ausgenutzt und die Spule kann bei einem höheren Strom betrieben werden. Die benötigte Supraleiterqualität und -menge und damit die Materialkosten sind geringer bzw. mit derselben Supraleitermenge kann ein höheres Magnetfeld im Spulenzentrum erzeugt werden.

Die vorliegende Erfindung kommt prinzipiell für alle Magnetsysteme mit Spulen aus HTS-Material in Frage. Ein Einsatz bei System mit LTS-Spulen als Feldformelementen ist allerdings nur bei Systemen sinnvoll, deren Betriebstemperatur (T < 10 K) so gewählt ist, dass sowohl HTS- als auch LTS-Leiter eingesetzt werden können.

Bezugszeichenliste

0
radial äußere Magnetspulenwicklungen aus LTS-Draht
1; 1a; 1b; 1c
HTS-Spulensektion
2; 2a; 2b; 2c
Feldformelemente
2'
LTS-Spulensektion
3a, 3b
Flansche
4a, 4b
Joints
5a, 5b
Stacks
6
Spulenkörper
z
Symmetrieachse der Magnetspulenanordnung

ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG

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Zitierte Patentliteratur

  • DE 102013220142 A1 [0002, 0009]
  • JP 2001-264402 A [0002, 0010]
  • DE 10260728 A1 [0008, 0011]