Title:
Vorrichtung und Verfahren zur Herstellung eines Kabelbaums
Document Type and Number:
Kind Code:
A1

Abstract:

Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung (1) zur Herstellung eines Kabelbaums (2), insbesondere für ein Fahrzeug. Die Vorrichtung (1) verfügt über wenigstens ein Baubrett (4), auf dem eine Mehrzahl von Leitungsaufnahmen (5, 6) angeordnet ist, die zum Tragen von elektrischen Leitungen (3) zwischen deren Anfangspunkten sowie Endpunkten ausgebildet sind. Die Leitungsaufnahmen (5, 6) sind relativ zu dem Baubrett (4) zwischen einer Aufnahmeposition, in der mehrere Leitungsaufnahmen (5, 6) gemeinsam wenigstens einen Verlegeweg für die Leitungen (3) bilden, und einer Verstauposition bewegbar, in der die Leitungsaufnahmen (5, 6) zumindest abschnittsweise außerhalb des Verlegewegs angeordnet sind. Erfindungsgemäß sind die Leitungsaufnahmen (5, 6) durch eine Steuereinrichtung (15) einzeln derart ansteuerbar sind, dass wenigstens eine Verstau-Leitungsaufnahme (6) aus der Mehrzahl von Leitungsaufnahmen (5, 6) in die Verstauposition bewegbar ist, während die Leitungen (3) noch von den übrigen Leitungsaufnahmen (5) auf dem Verlegeweg getragen sind. Ferner betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung eines Kabelbaums (2).





Inventors:
Reithmaier, Michael (84175, Gerzen, DE)
Zehrer, Franz Xaver (94428, Eichendorf, DE)
Application Number:
DE102016107742A
Publication Date:
10/26/2017
Filing Date:
04/26/2016
Assignee:
Lisa Dräxlmaier GmbH, 84137 (DE)
International Classes:
H01B13/012
Domestic Patent References:
DE102015011822A1N/A2016-03-31
DE3820638A1N/A1989-12-21
DE3523308A1N/A1986-01-09
Foreign References:
200100194782001-09-06
54780601995-12-26
46258581986-12-02
JPH11144538A1999-05-28
EP04195241991-04-03
Claims:
1. Vorrichtung (1) zur Herstellung eines Kabelbaums (2), insbesondere für ein Fahrzeug, mit wenigstens einem Baubrett (4), auf dem eine Mehrzahl von Leitungsaufnahmen (5, 6) angeordnet ist, die zum Tragen von elektrischen Leitungen (3) zwischen deren Anfangspunkten sowie Endpunkten ausgebildet sind und die relativ zu dem Baubrett (4) zwischen einer Aufnahmeposition, in der mehrere Leitungsaufnahmen (5, 6) gemeinsam wenigstens einen Verlegeweg für die Leitungen (3) bilden, und einer Verstauposition bewegbar ist, in der die Leitungsaufnahmen (5, 6) zumindest abschnittsweise außerhalb des Verlegewegs angeordnet sind, dadurch gekennzeichnet, dass die Leitungsaufnahmen (5, 6) durch eine Steuereinrichtung (15) einzeln derart ansteuerbar sind, dass wenigstens eine Verstau-Leitungsaufnahme (6) aus der Mehrzahl von Leitungsaufnahmen (5, 6) in die Verstauposition bewegbar ist, während die Leitungen (3) noch von den übrigen Leitungsaufnahmen (5) auf dem Verlegeweg getragen sind.

2. Vorrichtung (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (15) mit einem übergeordneten Produktionssystem (22) verbunden ist, das zum Aussenden eines Aktivierungssignals (23) an die Steuereinrichtung (15) vor oder bei Erreichen einer Abbindestation (24) durch das Baubrett (4) eingerichtet ist.

3. Vorrichtung (1) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die angesteuerte Verstau-Leitungsaufnahme (6) danach ausgewählt ist, ob sie in einem abzubindenden Leitungsabschnitt angeordnet ist.

4. Vorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Verstau-Leitungsaufnahme (6) in die Verstauposition schwenkbar oder absenkbar ist.

5. Vorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Verstau-Leitungsaufnahme (5, 6) einen durch die Steuereinrichtung (15) betätigbaren Aktor (13, 14) aufweist, der zum Bewegen in die Verstauposition eingerichtet ist.

6. Vorrichtung (1) nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Aktor (13, 14) zumindest eine wahlweise bestrombare, Elektrospule (20, 21) und ein durch die Elektrospule (20, 21) bewegbares sowie die Verstau-Leitungsaufnahme (6) in die Verstauposition freigebendes oder bewegendes Halteelement (18, 19) aufweist.

7. Verfahren zur Herstellung eines Kabelbaums (2), insbesondere für ein Fahrzeug, mit den Schritten:
– Bereitstellen von wenigstens einem Baubrett (4), auf dem eine Mehrzahl von Leitungsaufnahmen (5, 6) angeordnet ist,
– Anordnen von elektrischen Leitungen (3) in den Leitungsaufnahmen (5, 6), die in einer Aufnahmeposition gemeinsam wenigstens einen Verlegeweg für die Leitungen (3) definieren,
– Ansteuern von wenigstens einer Verstau-Leitungsaufnahme (6) aus der Mehrzahl der Leitungsaufnahmen (5, 6) durch eine Steuereinrichtung (15) derart, dass die Verstau-Leitungsaufnahme (6) aus dem Verlegeweg heraus in eine Verstauposition bewegt wird, während die Leitungen (3) noch von den übrigen Leitungsaufnahmen (5, 6) auf dem Verlegeweg getragen werden, und
– Abbinden der Leitungen (3) in einem durch die Verstau-Leitungsaufnahme (6) zumindest weitgehend freigelegten Leitungsabschnitt.

8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (15) von einem damit verbundenen übergeordneten Produktionssystem (22) ein Auslösesignal (23) empfängt, woraufhin die Verstau-Leitungsaufnahme (6) aus dem Verlegeweg heraus bewegt wird.

9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Auslösesignal (23) vor oder bei Erreichen einer Abbindestation (24) durch das Baubrett (4) ausgesendet wird.

10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Produktionssystem (22) auf Basis von Konstruktions- oder Fertigungsdaten für den Kabelbaum (2) bestimmt, welche und/oder wie viele Verstau-Leitungsaufnahmen (6) bewegt werden.

11. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass genau so viele Verstau-Leitungsaufnahmen (6) aus dem Verlegeweg heraus bewegt werden, dass der abzubindende Leitungsabschnitt zumindest weitgehend frei zugänglich ist.

12. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Verstau-Leitungsaufnahme (6) aus dem Verlegeweg heraus geschwenkt oder abgesenkt wird.

Description:
Technisches Gebiet

Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung, insbesondere eine Verlegehilfe für Leitungen, zur Herstellung eines Kabelbaums, insbesondere für ein Fahrzeug. Ferner betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung eines solchen Kabelbaums.

Stand der Technik

Vorrichtungen und Verfahren zur Herstellung von Kabelbäumen, insbesondere von Kabelbäumen für ein Fahrzeug sind bereits aus dem Stand der Technik bekannt.

So offenbart beispielsweise die EP 0 419 524 A1 ein Verfahren zum Herstellen eines Kabelbaums aus vorkonfektionierten, also mit Steckverbindern oder ähnlichem versehenen, elektrischen Leitungen. Dabei werden während eines Verlegens einzelner Leitungen die Steckverbinder in Steckgehäuse-Aufnahmevorrichtungen in einer Linie angeordnet, wobei die bereits verlegten Leitungen frei zwischen den an Anfangspunkten und Endpunkten angebrachten Steckverbindern herabhängen. Die Leitungen werden dann abgebunden, indem ein Abbindewerkzeug den durch die Leitungen gebildeten Kabelstrang am Steckverbinder umfasst und abbindet und anschließend das Abbindewerkzeug entlang des Kabelstrangs um eine Wegstrecke bis zur ersten Verzweigung des Kabelbaums verfährt, wo erneut ein Abbinden stattfindet. Nachteilig daran ist, dass die Leitungen zwischen den Anfangs- und Endpunkten herabhängen, wodurch nur bedingt ein Abbinden der Leitungen möglich ist.

Des Weiteren ist aus der DE 10 2015 011 822 A1 eine Vorrichtung zur Kabelbaumherstellung gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 bekannt. Obwohl damit die Kabelbaumherstellung vereinfacht wird, besteht der Wunsch nach einer weiteren Verbesserung bezüglich des Abbindens der Leitungen.

Beschreibung der Erfindung

Eine Aufgabe der Erfindung ist es daher, unter Einsatz konstruktiv möglichst einfacher Mittel eine Möglichkeit zum ergonomisch verbesserten und idealerweise zeiteffizientem Abbinden von Leitungen zu schaffen.

Die Aufgabe wird durch die Gegenstände der unabhängigen Ansprüche gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen, der Beschreibung und den begleitenden Figuren angegeben.

Eine erfindungsgemäße Vorrichtung zur Herstellung eines Kabelbaums, der sich insbesondere für ein Fahrzeug eignet, weist wenigstens ein Baubrett auf, auf dem eine Mehrzahl von Leitungsaufnahmen angeordnet ist. Die Leitungsaufnahmen sind zum Tragen von elektrischen Leitungen zwischen deren Anfangspunkten sowie Endpunkten ausgebildet. Außerdem sind die Leitungsaufnahmen relativ zu dem Baubrett zwischen einer Aufnahmeposition, in der mehrere Leitungsaufnahmen gemeinsam wenigstens einen Verlegeweg für die Leitungen bilden, und einer Verstauposition bewegbar, in der die Leitungsaufnahmen zumindest abschnittsweise außerhalb des Verlegewegs angeordnet sind. Das Baubrett kann vorzugsweise horizontal angeordnet sein, während die zum Beispiel gabelförmigen Leitungsaufnahmen senkrecht davon hervorstehen. Die Leitungen werden also von den Leitungsaufnahmen hoch gehalten bzw. in einem durch die Leitungsaufnahmen vorgegebenen Abstand zu einer Baubrettoberfläche getragen. Der Verlegeweg kann geradlinig sein, jedoch auch Abzweigungen oder ähnliches enthalten.

Erfindungsgemäß sind die Leitungsaufnahmen durch eine Steuereinrichtung einzeln derart ansteuerbar, dass wenigstens eine Verstau-Leitungsaufnahme, also mindestens eine einzelne Leitungsaufnahme, aus der Mehrzahl von Leitungsaufnahmen in die Verstauposition bewegbar ist, während die Leitungen noch von den übrigen Leitungsaufnahmen auf dem Verlegeweg getragen sind. In anderen Worten, werden also eine oder mehrere einzelne Leitungsaufnahmen gezielt und zwangsweise bzw. automatisiert oder ferngesteuert aus dem Verlegeweg heraus bewegt, um so einen abschnittsweisen Freiraum bzw. mehr Platz um die Leitungen herum zu schaffen. Dennoch werden die Leitungen weiter von einer Anzahl von Leitungsaufnahmen getragen, die sich weiter in der Aufnahmeposition befinden, also weiterhin den Verlegeweg bilden. Die eine oder die mehreren Verstau-Leitungsaufnahmen können zum Beispiel zwischen zwei Leitungsaufnahmen angeordnet sein, die sich weiterhin in der Aufnahmeposition befinden.

Die Vorrichtung bietet damit den Vorteil, dass zum Beispiel gezielt für ein Abbinden der Leitungen zu einem Leitungsstrang des Kabelbaums einzelne Leitungsaufnahmen, nämlich die Verstau-Leitungsaufnahmen, aus dem Verlegeweg so weit heraus bewegt werden können, dass ein Abbinden durch den dadurch geschaffenen Freiraum einfacher bzw. ungestört erfolgen kann. Das verbessert die Ergonomie bei der Verwendung von Baubrettern, da mehr Platz zum Abbinden zur Verfügung steht. Zudem kann eine höhere Qualität des Abbindens bei verbesserter Zeiteffizienz erzielt werden. Insbesondere auch das Abbinden unter Zuhilfenahme eines Abbindegeräts kann besser durchgeführt werden. Häufig erfolgt das Abbinden auch mit einem Wickelband, das durch den zusätzlich geschaffenen Freiraum einfacherer und hinsichtlich der Wickelqualität verbessert erfolgen kann.

Um eine koordinierte Zwangs- bzw. Fernsteuerung der Verstau-Leitungsaufnahme zu ermöglichen, ist es vorteilhaft, wenn die Steuereinrichtung mit einem übergeordneten Produktionssystem verbunden ist, das zum Aussenden eines Aktivierungssignals an die Steuereinrichtung vor oder bei Erreichen einer Abbindestation durch das Baubrett eingerichtet ist. Zum Beispiel können gleichzeitig mehrere Baubretter von dem Produktionssystem überwacht und/oder angesteuert werden, wobei im Produktionssystem Informationen zu dem herzustellenden, fahrzeugspezifischen bzw. kundenspezifischen Kabelbaum hinterlegt sind. Wenn das jeweilige Baubrett eine Abbindestation erreicht, in der der Montageschritt des Abbindens durchgeführt wird, veranlasst das Produktionssystem die Steuereinrichtung zum Verstauen der einen oder der mehreren, einzelnen Leitungsaufnahmen.

Um für das Abbinden, insbesondere Umwickeln, genug Platz zu schaffen, ist es von Vorteil, wenn die angesteuerte Verstau-Leitungsaufnahme danach ausgewählt ist, ob sie in einem abzubindenden Leitungsabschnitt angeordnet ist. Es wird also genau dort Leitungsaufnahmen aus dem Verlegeweg entfernt, wo auch tatsächlich ein Abbinden stattfindet. Diese Information ist in Fertigungszeichnungen für den Kabelbaum festgehalten und liegt auch im Produktionssystem vor.

Die Verstau-Leitungsaufnahme lässt sich technisch einfach aus dem Verlegeweg heraus bewegen, wenn diese in die Verstauposition schwenkbar oder absenkbar ist. Hierzu können die Leitungsaufnahmen mit einer Schwenk- oder Absenkeinrichtung ausgestattet sein.

Um die Leitungsaufnahme(n) aus dem Verlegeweg heraus zu bewegen, kann die Verstau-Leitungsaufnahme einen durch die Steuereinrichtung betätigbaren Aktor aufweisen, der zum Bewegen oder Freigeben in die Verstauposition eingerichtet ist.

Eine vorteilhafte Ausführungsvariante der Erfindung sieht vor, dass der Aktor zumindest eine wahlweise bestrombare, elektrische Spule und ein durch die Spule bewegbares sowie die Verstau-Leitungsaufnahme in die Verstauposition freigebendes oder bewegendes Halteelement aufweist. Dabei kann die Verstau-Leitungsaufnahme zum Beispiel in eine Absenkrichtung durch ein Federelement vorgespannt sein und in dieser vorgespannten Position durch das damit in Eingriff stehende Halteelement gehalten werden. Bei Bestromung der Spule wird das Halteelement aus dem Eingriff mit dem schwenkbaren oder absenkbaren Teil der Verstau-Leitungsaufnahme gelöst, wodurch sich diese dann aus dem Verlegeweg bewegt. Es ist auch denkbar, dass kein Federelement, sondern eine schwerkraftbedingte Bewegung vorgesehen ist.

Die Erfindung bezieht sich auch auf ein Verfahren zur Herstellung eines Kabelbaums, insbesondere für ein Fahrzeug. Das Verfahren sieht vor:

  • – Bereitstellen von wenigstens einem Baubrett, auf dem eine Mehrzahl von Leitungsaufnahmen angeordnet ist. Ein Produktionssystem kann auch mehrere Baubretter aufweisen, die sich zum Beispiel über eine Fördereinrichtung durch eine Produktionshalle bewegen können. Die Leitungsaufnahmen können zum Beispiel gabelförmig ausgestaltet sein.
  • – Anordnen von elektrischen Leitungen in den Leitungsaufnahmen, die in einer Aufnahmeposition gemeinsam wenigstens einen Verlegeweg für die Leitungen bilden.
  • – Ansteuern von wenigstens einer Verstau-Leitungsaufnahme, das heißt einer aus der Aufnahmeposition zu verstauende Leitungsaufnahme, aus der Mehrzahl der Leitungsaufnahmen durch eine Steuereinrichtung derart, dass die Verstau-Leitungsaufnahme aus dem Verlegeweg heraus in eine Verstauposition bewegt wird, während die Leitungen noch von den übrigen Leitungsaufnahmen auf dem Verlegeweg getragen werden. Das heißt, dass eine oder mehrere einzelne Leitungsaufnahmen aus dem Verlegeweg heraus bewegt werden, während die anderen weiterhin die Leitungen tragen. So wird zwischen den die Leitung tragenden Leitungsaufnahmen Platz geschaffen.
  • – Abbinden der Leitungen in einem durch die Verstau-Leitungsaufnahme zumindest weitgehend freigelegten Leitungsabschnitt.

Die Verstau-Leitungsaufnahme lässt sich zum Verstauen fern- bzw. zwangssteuern, wenn zum Beispiel vorgesehen ist, dass die Steuereinrichtung von einem damit verbundenen, übergeordneten Produktionssystem ein Auslösesignal empfängt, woraufhin die Verstau-Leitungsaufnahme aus dem Verlegeweg heraus bewegt wird. In dem Produktionssystem sind zum Beispiel Fertigungsdaten bzw. Konstruktionsdaten für den jeweiligen Kabelbaum hinterlegt, so dass klar bestimmbar ist, an welchen Leitungsabschnitten mehr Platz für nachfolgende Montageschritte benötigt wird.

Um zuerst einen vollständigen Verlegeweg für vorgelagerte Schritte der Kabelbaumherstellung zu definieren, dann aber zum passenden Zeitpunkt das Abbinden durch den geschaffenen Freiraum zwischen den tragenden Leitungsaufnahmen zu erleichtern, kann das Auslösesignal vor oder bei Erreichen einer Abbindestation durch das Baubrett von dem Produktionssystem ausgesendet werden.

Für eine maximale Arbeitserleichterung, können genau so viele Verstau-Leitungsaufnahmen aus dem Verlegeweg heraus bewegt werden, dass der abzubindende Leitungsabschnitt zumindest weitgehend frei zugänglich ist. Somit kann auch eine Mehrzahl von Verstau-Leitungsaufnahmen unter der insgesamt vorhandenen Mehrzahl von Leitungsaufnahmen aus dem Verlegeweg heraus bewegt werden.

Konstruktiv einfach lässt sich die Vorrichtung gestalten, wenn die Verstau-Leitungsaufnahme aus dem Verlegeweg heraus geschwenkt oder abgesenkt wird. Das Rückstellen in die Aufnahmeposition kann manuell oder ebenfalls automatisiert bzw. motorgestützt oder ähnliches erfolgen.

Kurze Figurenbeschreibung

Nachfolgend wird ein vorteilhaftes Ausführungsbeispiel der Erfindung unter Bezugnahme auf die begleitenden Figuren erläutert. Es zeigen:

1 eine perspektivische Seitenansicht einer erfindungsgemäßen Vorrichtung mit einer Mehrzahl von Leitungsaufnahmen, die sich alle in einer Aufnahmeposition befinden

2 eine perspektivische Seitenansicht der Vorrichtung aus 1 mit einem abgebundenen Leitungsabschnitt, wobei sich eine Leitungsaufnahme in einer Verstauposition befindet,

3 einen Halbschnitt durch eine erfindungsgemäße Vorrichtung, bei der sich eine Leitungsaufnahme in einer Verstauposition befindet, und

4 eine grobschematisch dargestellte Vorrichtung mit mehreren Baubrettern, die von einem einer Steuereinrichtung übergeordneten Produktionssystem gesteuert werden.

Die Figuren sind lediglich schematische Darstellungen und dienen nur der Erläuterung der Erfindung. Gleiche oder gleichwirkende Elemente sind durchgängig mit den gleichen Bezugszeichen versehen.

1 zeigt in einer stark vereinfachten Seitenansicht eine erfindungsgemäße Vorrichtung 1, die sich zur Herstellung eines Kabelbaums 2 eignet. Der Kabelbaum 2 ist hier nur als Teilausschnitt in Form eines Leitungsabschnitts mit mehreren elektrischen Leitungen 3 dargestellt. Das dargestellte Prinzip lässt sich jedoch auf einen vollständigen Kabelbaum 2 mit einer Vielzahl von Leitungen 3 und daran angebrachten (hier nicht dargestellten) Kontaktteilen übertragen.

Die Vorrichtung 1 weist ein Baubrett 4 auf, auf dem eine Mehrzahl, hier exemplarisch nur zwei, von Leitungsaufnahmen 5, 6 angeordnet ist. Die Leitungsaufnahmen 5, 6 sind hier zueinander identisch ausgebildet und sind gabelförmig ausgestaltet, also als sogenannte Gabelaufnahmen. Dementsprechend weisen die Leitungsaufnahmen 5, 6 auch jeweils einen Aufnahmeabschnitt 7, 8 der im Wesentlichen die Gabelform ausbildet, einen Halteabschnitt 9, 10 und einen Befestigungsabschnitt 11, 12 zur Anbringung an dem Baubrett 4 auf. Des Weiteren wirken die Leitungsaufnahmen 5, 6 auch mit einem jeweils daran angeordneten elektrischen Aktor 13, 14 zusammen, der zum Betätigen, Freigeben oder ähnlichem des Halteabschnitts 9, 10 eingerichtet ist. Zur Ansteuerung des jeweiligen Aktors 13, 14 ist eine (hier nur schematisch dargestellte) Steuereinrichtung 15 vorgesehen, die zum Beispiel an dem Baubrett 4 angeordnet ist. Die rechnergestützte Steuereinrichtung 15 ist über eine oder mehrere Steuerleitungen 16 mit den Aktoren 13, 14 verbunden.

Wie aus 1 hervorgeht, befinden sich die beiden (hier exemplarisch gezeigten) Leitungsaufnahmen 5, 6 in einer Aufnahmeposition, in der die Leitungen 3 im jeweiligen Aufnahmeabschnitt 7, 8 aufgenommen sind und so in einem durch die Leitungsaufnahmen 5, 6 definierten Abstand über der diesen zugewandten Seite des Baubretts 4 getragen werden. In dieser Aufnahmeposition definieren die Leitungsaufnahmen 5, 6 einen Verlegeweg für die Leitungen 3, die zwischen ihren Längsenden, an denen zum Beispiel (hier nicht dargestellte) Kontaktteile angebracht sind, von einer Mehrzahl der Leitungsaufnahmen 5, 6 getragen werden. Der Verlegeweg ist bei dem hier gezeigten Teilausschnitt geradlinig ausgebildet, kann aber auch abgewinkelt, gekrümmt etc. ausgeformt sein. Üblicherweise werden in dem Kabelbaum 2 zumindest eine oder mehrere Abzweigungen vorgesehen sein.

In 2, die die Vorrichtung 1 in einer perspektivischen Ansicht zeigt, ist erkennbar, dass die Leitungsaufnahmen 5, 6 aus der Aufnahmeposition auch in eine Verstauposition gebracht bzw. bewegt werden können. Dies ist hier exemplarisch an der Leitungsaufnahme 6 gezeigt, die in der Verstauposition dementsprechend auch als Verstau-Leitungsaufnahme 6 bezeichnet werden kann. Die Verstauposition lässt sich aus der Aufnahmeposition insbesondere durch Wegklappen oder, wie hier exemplarisch gezeigt, durch Absenken erreichen. Das heißt, dass der Aufnahmeabschnitt 8 relativ zu dem Baubrett 4 und dem daran angebrachten Befestigungsabschnitt 12 durch Lösen des Halteabschnitts 10 von den Leitungen 3 weg bewegt ist. Das Verstauen erfolgt individuell durch eine Ansteuerung des jeweiligen Aktors 13, 14 durch die Steuereinrichtung 15.

Durch das Verstauen der einzelnen Leitungsaufnahme 6 wird einem an dem Baubrett 4 arbeitenden Monteur zusätzlicher Freiraum zwischen den Leitungsaufnahmen geschaffen, um die Leitungen 3 beispielsweise mit einem Abbindeelement 17, wie etwa Kabelbindern oder mit einem Wickelband, abschnittsweise abzubinden, wie es hier für einen Leitungsabschnitt exemplarisch gezeigt ist. Bemerkenswert ist, dass nur die eine als Verstau-Leitungsaufnahme bezeichnete Leitungsaufnahme 6 abgesenkt ist, während die andere Leitungsaufnahme 5 weiterhin die Leitungen 3 trägt. Bei mehreren Leitungsaufnahmen können dementsprechend mehrere Verstau-Leitungsaufnahmen abgesenkt werden und mehrere in der Aufnahmeposition verbleibende Leitungsaufnahmen die Tragefunktion für die Leitungen 3 weiter erfüllen.

In 3, die einen Halbschnitt der Vorrichtung 1 zeigt, ist die Funktionsweise für das Halten und Absenken der Leitungsaufnahmen 5, 6 zu erkennen. Von dem jeweiligen Aktor 13, 14 erstreckt sich ein Halteelement 18, 19 bis in den Halteabschnitt 9, 10 der jeweiligen Leitungsaufnahme 5, 6 hinein. Beispielhaft handelt es sich hier bei dem Haltelement 18, 19 um ein Stiftelement. Im Halteabschnitt 9, 10 kann ein zylinderförmiger (nicht näher bezeichneter) Abschnitt der Leitungsaufnahme 5, 6 relativ dazu gleiten und wird in der Aufnahmeposition durch das Halteelement 18 in Position gehalten, wie hier bei der Leitungsaufnahme 5. Jeder Aktor 13, 14 weist eine Elektrospule 20, 21 auf, die durch die Steuereinrichtung 15 bestrombar ist und dadurch das Halteelement 18, 19 aus einem Eingriff mit dem Halteabschnitt 9, 10 zieht. Beim gezeigten Ausführungsbeispiel senkt sich die jeweilige Leitungsaufnahme 5, 6 schwerkraftbedingt ab, wobei aber auch eine Federvorspannung in Richtung Verstauposition oder ähnliches denkbar ist. Des Weiteren geht aus 3 hervor, dass sich der Befestigungsabschnitt 11, 12 durch das Baubrett 4 hindurch erstreckt und auf der dem Aufnahmeabschnitt 7, 8 abgewandten Seite des Baubretts 4 mit einem Befestigungselement, die hier zum Beispiel als Schraubenmutter ausgeführt ist, gekontert ist. Dadurch wird die Leitungsaufnahme 5, 6 an dem Baubrett 4 gehalten.

4 zeigt die Vorrichtung 1 mit einer beispielhaften Anordnung von mehreren Baubrettern 4, die in einer Produktionshalle bewegt werden und die jeweils eine schematisch angedeutete Mehrzahl von Leitungsaufnahmen 5, 6, Aktoren 13, 14 und Steuereinrichtungen 15 aufweisen, die sowohl die Aufnahmeposition als auch die Verstauposition einnehmen können. Es ist erkennbar, dass die Vorrichtung 1 ein der jeweiligen Steuereinrichtung 15 übergeordnetes Produktionssystem 22 aufweist oder mit diesem zusammenwirkt. Das Produktionssystem 22 ist mit der Steuereinrichtung 15 verbunden, beispielweise über eine Funkverbindung, und dazu eingerichtet, ein Aktivierungssignal 23 an die jeweilige Steuereinrichtung 15 zu senden, auf das hin der jeweilige Aktor 13, 14 durch die Steuereinrichtung 15 betätigt bzw. angesteuert wird. Die Baubretter 4 durchlaufen während der Herstellung des Kabelbaums 2 mehrere (Fertigungs- oder Montage-)Stationen, von denen wenigstens eine als Abbindestation 24 vorgesehen ist. Es ist durch die Bezugszeichen 5 und 6 angedeutet, dass sich alle Leitungsaufnahmen vor Erreichen einer Abbindestation 24, an der das abschnittsweise Abbinden der Leitungen 3 erfolgt, in der Aufnahmeposition (Bezugszeichen 5) befinden und erst dann in die Verstauposition (Bezugszeichen 6) gebracht werden.

An der Abbindestation 24 erfolgt das oben erwähnte Abbinden der Leitungen 3, das hier mit dem Wickelband 17 realisiert wird. Das Produktionssystem 22 verfügt über Konstruktions- und/oder Fertigungsdaten für den jeweiligen Kabelbaum 2, so dass feststeht bzw. bestimmbar ist, welche Leitungsabschnitte des Kabelbaums 2 zu welchem Zeitpunkt abzubinden sind. Dementsprechend steuert das Produktionssystem 22 die Steuereinrichtungen 15 rechtzeitig vor Erreichen der Abbindestation 24 an, damit die Steuereinrichtung 15 die Aktoren 13, 14 zum Verstauen einer oder mehrerer Leitungsaufnahmen 5, 6 ansteuert. Das Abbinden erfolgt dann mit mehr Freiraum zwischen den übrigen, tragenden Leitungsaufnahmen 5, 6, die sich noch in der Aufnahmeposition befinden. Dies erfolgt hier mit einem Abbindegerät, das an den freigelegten, abzubindenden Leitungsabschnitt herangeführt wird. Nach Durchlaufen der Abbindestation 24 werden die verstauten Leitungsaufnahmen durch den Monteur wieder manuell in die Aufnahmeposition gebracht.

Ausgehend von dem dargestellten Ausführungsbeispiel können die erfindungsgemäße Vorrichtung 1 und das damit ausgeführte Verfahren in vielerlei Hinsicht abgewandelt werden. So ist es beispielsweise möglich, dass die Leitungsaufnahmen 5, 6 einen Klappmechanismus zum Wegklappen statt dem Absenken aufweisen. Dementsprechend können das Halteelement 18, 19 und der Aktor 13, 14 auch dazu eingerichtet sein, den Klappmechanismus freizugeben oder zu betätigen. Es ist auch denkbar, dass der Aktor 13, 14 zum automatisierten Zurückbringen der Leitungsaufnahmen 5, 6 von der Verstauposition in die Aufnahmeposition eingerichtet sind. Zudem kann der Kabelbaum 2 auch mehrere voneinander beabstandete, also nicht benachbarte, Leitungsabschnitte aufweisen, die jeweils für sich abzubinden sind. Dazu können eine oder mehrere Leitungsaufnahmen 5, 6 verstaut werden, wobei dazwischen immer mal wieder Leitungsaufnahmen 5, 6 in der Aufnahmeposition verbleiben.

Bezugszeichenliste

1
Vorrichtung
2
Kabelbaum
3
elektrische Leitung(en)
4
Baubrett(er)
5
(Verstau-)Leitungsaufnahme(n)
6
(Verstau-)Leitungsaufnahme(n)
7
Aufnahmeabschnitt(e)
8
Aufnahmeabschnitt(e)
9
Halteabschnitt(e)
10
Halteabschnitt(e)
11
Befestigungsabschnitt(e)
12
Befestigungsabschnitt(e)
13
Aktor(en)
14
Aktor(en)
15
Steuereinrichtung (en)
16
Steuerleitung(en)
17
Abbindeelement (z.B. Wickelband)
18
Halteelement(e)
19
Halteelement(e)
20
Elektrospule(n)
21
Elektrospule(n)
22
Produktionssystem
23
Aktivierungssignal
24
Abbindestation

ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG

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Zitierte Patentliteratur

  • EP 0419524 A1 [0003]
  • DE 102015011822 A1 [0004]