Title:
Kupfer-Zink-Legierung, Verfahren zur Herstellung und Verwendung
Kind Code:
B4


Abstract:

Kupfer-Zink-Legierung, bestehend aus (in Gew.-%):
28,0 bis 36,0% Zn,
0,5 bis 1,5% Si,
1,5 bis 2,5% Mn,
0,2 bis 1,0% Ni,
0,5 bis 1,5% Al,
0,1 bis 1,0% Fe,
wahlweise noch bis maximal 0,1% Pb,
wahlweise noch bis maximal 0,1% P,
wahlweise noch bis 0,08% S,
Rest Cu und unvermeidbare Verunreinigungen,
dadurch gekennzeichnet,
– dass in der Matrix Eisen-Nickel-Mangan-haltige Mischsilizide eingelagert sind,
– dass nach einer Weiterbearbeitung, die zumindest eine Warmumformung bzw. Kaltumformung und weitere Glühschritte beinhaltet, das Gefüge aus einer α-Matrix besteht, in der Einlagerungen an β-Phase von 5 bis zu 45 Vol.-% sowie an Eisen-Nickel-Mangan-haltigen Mischsiliziden bis zu 20 Vol.-% enthalten sind,
– dass im Gefüge die Eisen-Nickel-Mangan-haltigen Mischsilizide mit stängeliger Form sowie an Eisen-Nickel-angereicherte Mischsilizide mit globularer Gestalt vorliegen.




Inventors:
Weber, Kai, Dr. (89269, Vöhringen, DE)
Application Number:
DE102007029991A
Publication Date:
08/01/2013
Filing Date:
06/28/2007
Assignee:
Wieland-Werke AG, 89079 (DE)
International Classes:
Domestic Patent References:
DE1558817A1N/A1970-04-23
DE759865CN/A1951-04-16



Foreign References:
WO2005093244A12005-10-06
Other References:
Dies,K: Kupfer und Kupferlegierungenin der Technik. Springer-Verlag Berlin / Heidelberg / New York, Seiten 484 - 487, 1967
Claims:
1. Kupfer-Zink-Legierung, bestehend aus (in Gew.-%):
28,0 bis 36,0% Zn,
0,5 bis 1,5% Si,
1,5 bis 2,5% Mn,
0,2 bis 1,0% Ni,
0,5 bis 1,5% Al,
0,1 bis 1,0% Fe,
wahlweise noch bis maximal 0,1% Pb,
wahlweise noch bis maximal 0,1% P,
wahlweise noch bis 0,08% S,
Rest Cu und unvermeidbare Verunreinigungen,
dadurch gekennzeichnet,
– dass in der Matrix Eisen-Nickel-Mangan-haltige Mischsilizide eingelagert sind,
– dass nach einer Weiterbearbeitung, die zumindest eine Warmumformung bzw. Kaltumformung und weitere Glühschritte beinhaltet, das Gefüge aus einer α-Matrix besteht, in der Einlagerungen an β-Phase von 5 bis zu 45 Vol.-% sowie an Eisen-Nickel-Mangan-haltigen Mischsiliziden bis zu 20 Vol.-% enthalten sind,
– dass im Gefüge die Eisen-Nickel-Mangan-haltigen Mischsilizide mit stängeliger Form sowie an Eisen-Nickel-angereicherte Mischsilizide mit globularer Gestalt vorliegen.

2. Kupfer-Zink-Legierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im Gusszustand das Gefüge mit einem Gehalt der β-Phase bis zu 50 Vol.-% vorliegt.

3. Verfahren zur Herstellung von Rohren oder Stangen aus einer Kupfer-Zink-Legierung nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine Weiterbearbeitung der Legierung folgende Schritte umfasst:
– Strangpressen in einem Temperaturbereich von 600 bis 800°C,
– zumindest eine Kaltumformung.

4. Verfahren zur Herstellung von Rohren oder Stangen aus einer Kupfer-Zink-Legierung nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine Weiterbearbeitung der Legierung folgende Schritte umfasst:
– Strangpressen in einem Temperaturbereich von 600 bis 800°C,
– eine Kombination aus zumindest einer Kaltumformung mit zumindest einer Glühung in einem Temperaturbereich von 250 bis 700°C.

5. Verfahren zur Herstellung von Rohren oder Stangen aus einer Kupfer-Zink-Legierung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass sich nach dem Umformen zumindest eine Entspannungsglühung in einem Temperaturbereich von 250 bis 450°C anschließt.

6. Verwendung einer Kupfer-Zink-Legierung nach einem der Ansprüche 1 oder 2 für Gleitelemente in Verbrennungsmotoren, Getrieben oder hydraulischen Aggregaten.

Description:

Die Erfindung betrifft eine Kupfer-Zink-Legierung, Verfahren zur Herstellung von Rohren oder Stangen aus der Kupfer-Zink-Legierung und deren Verwendung.

Infolge der stark zunehmenden Beanspruchung der Gleitlagerwerkstoffe und der steigenden Betriebsdrücke und -temperaturen in modernen Maschinen, Motoren und Aggregaten steigen die Anforderungen an die Eigenschaften der für einen Einsatz geeigneten Legierungen.

Aus diesem Grunde besteht das Ziel, die Betriebseigenschaften der Lagerwerkstoffe weiterzuentwickeln. Dazu gehört einerseits die Erhöhung der Festigkeitseigenschaften, der Temperaturbeständigkeit des Gefüges und der komplexen Verschleißbeständigkeit bei gleichzeitig ausreichenden Zähigkeitseigenschaften. Andererseits muss die Gleitlagerlegierung hinreichend gute Notlaufeigenschaften besitzen, die dem Verschweißen der Lagerpartner entgegenwirken. Bisher werden für diese Zwecke bleihaltige Kupferlegierungen eingesetzt.

Aus der Druckschrift DE 10 2004 058 318 B4 und DE 10 2005 015 467 A1 sind die Verwendungsmöglichkeiten einer Kupfer-Zink-Legierung für den Einsatz als Ventilführung und Gleitlager mit höherer Temperatur- und Verschleißstabilität bekannt. Die Legierung besteht aus 59–73 Gew.-% Kupfer, 2,7–8,5 Gew.-% Mangan, 1,5–6,3 Gew.-% Aluminium, 0,2–4 Gew.-% Silicium, 0,2–3 Gew.-% Eisen, 0–2 Gew.-% Blei, 0–2 Gew.-% Nickel, 0–0,4 Gew.-% Zinn und Rest Zink.

Die Erhöhung der Temperatur- und Verschleißstabilität bei diesen Legierungen mit einem äußerst hohen Legierungsanteil an Mangan und Aluminium bedingt in der Regel eine β-Matrix, in die α-Ausscheidungen und Hartphasen eingelagert sind. Die Verschleiß- und Temperaturbeständigkeit dieser Legierungen kann zwar als ausreichend angesehen werden, allerdings beeinflusst diese einseitige Ausrichtung der Gefügeeinstellung die Zähigkeitseigenschaften des Materials negativ.

Des Weiteren ist aus der DE 29 19 478 C2 die Verwendung einer ähnlichen Legierung für Synchronringe bekannt. Bezüglich dieser Verwendung wird als Vorteil gesehen, dass eine verbesserte Verschleißfestigkeit und zugleich ein beträchtlich gesteigerter Reibungsbeiwert auftritt. Weiterhin besitzen die aus der Legierung hergestellten Halbzeuge eine gute Bearbeitbarkeit, wobei sie sich aufgrund des relativ hohen Aluminiumanteils, obwohl gegenüber den bisher gebräuchlichen Sondermessingen ein Härteanstieg bei Raumtemperatur zu verzeichnen ist, gut kaltverformen lassen. Der Aluminiumanteil liegt im Bereich von 4 bis 6 Gew.-%.

Die weitere Druckschrift OS 21 45 710 offenbart eine bei hoher Temperatur verschleißfeste Legierung auf Kupferbasis für einen Ventilsitz in Brennkraftmaschinen, die ebenfalls einen vergleichsweise hohen Aluminiumanteil von 5 bis 12 Gew.-% aufweist. Der Aluminiumanteil im angegebenen Bereich verbessert die Korrosionsbeständigkeit zusätzlich zur Verstärkungswirkung auf die Matrix. Eine weitere Steigerung der Verschleißfestigkeit findet durch die Bildung einer intermetallischen Phase aus Mangan und Silicium statt.

Aus der Auslegeschrift 1 194 592 ist ein Verfahren zur Herstellung von Synchronringen bekannt, die sich durch einen hohen und gleichbleibenden Reibungskoeffizienten, eine hohe Verschleißfestigkeit und gute spangebende Bearbeitbarkeit auszeichnen. Hierzu werden auch Glühbehandlungen der weitgehend aus β-Phase bestehenden Legierung zwischen 200 bis 500°C vorgeschlagen, um eine α-Ausscheidung von 5 bis 50% zu erreichen.

Aus der deutschen Offenlegungsschrift DE 1 558 817 A ist ein Verfahren zur Herstellung von Halbzeugen oder Halbfabrikaten durch Gesenkschmieden bekannt, die sich durch einen gleichmäßigen Reibungsbeiwert, hohen Verschleißwiderstand und gute Bearbeitbarkeit auszeichnen. Die zur Herstellung verwendeten Legierungen können über 50% Cu, 0,1 bis 12% Al, 0,1 bis 6% Ni und 0,1 bis 14% Mn, und noch bis 45% Zn, 6% Fe, 2,5% Si, 0,5% P, 3% Pb, 2% Sn enthalten. Hierbei werden die mit praktisch reinem β-Gefüge hergestellten Werkstücke nach dem letzten Warmverformen 5 Minuten bis 12 Stunden bei Temperaturen zwischen 200 und 650°C, gegebenenfalls nach einer vorherigen Abkühlung, geglüht, bis in dem überwiegenden β-Gefüge 5 bis 49% α-Gefüge ausgeschieden ist. Derartige Legierungen eignen sich beispielsweise zur Herstellung von Synchronisierungsringen.

In der Druckschrift DE 759 865 A sind Messinglegierungen zur Herstellung von Maschinenteilen, die gute Gleiteigenschaften aufweisen müssen, beschrieben. Diese Legierungen enthalten 55 bis 75% Cu, 0,05 bis 5% Si und einen Rest an Zink. Gegebenenfalls können diese Kupferlegierungen noch Zusätze bis zu 5% Ni, Mn oder Eisen einzeln oder zu mehreren sowie bis zu 2% Al und bis zu 3% Pb und/oder Thallium enthalten. Nicht beschrieben ist das konkrete Verhältnis aus α- und β-Phase. Die lediglich optionalen Anteile der Elemente Nickel, Mangan, Eisen und Aluminium lassen des Weiteren offen, ob diese Legierungen neben guten Gleiteigenschaften auch eine hohe Temperaturbeständigkeit aufweisen.

Aus der Druckschrift WO 2005/093244 A1 geht die Beschreibung von Kupferlegierungen für Kolben hervor, welche in Verbrennungsmotoren eingesetzt werden. Die Legierungen enthalten 1,0 bis 7,0% Ni und/oder 0,2 bis 5,0% Si und einen Rest an Cu. Weiterhin können sie noch bis 5% Al, bis 4% Sn, bis zu 30% Zn, bis zu 5% Fe und/oder bis zu 5% Mn, bis zu 1% Co sowie bis zu 2% Cr enthalten. An dieser Legierungszusammensetzung ist zu erkennen, dass diese Werkstoffe einseitig auf eine Optimierung der Wärmeleitfähigkeit, der Temperaturbeständigkeit und der Festigkeitseigenschaften ausgerichtet sind. Nicht beschrieben sind die Anforderungen an die Legierungen hinsichtlich des Gefüges, die maßgeblich für die Gewährleistung einer hohen komplexen Verschleißbeständigkeit sind.

In den genannten Druckschriften wird meist auch ein gewisser Bleigehalt zur besseren spanenden Bearbeitbarkeit vorgesehen.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Kupfer-Zink-Legierung mit verbesserter Kaltumformbarkeit, hoher Härte und Temperaturbeständigkeit bereitzustellen.

Die Erfindung wird bezüglich der Legierung durch die Merkmale des Anspruchs 1 wiedergegeben und bezüglich des Verfahrens zur Herstellung von Rohren oder Stangen aus der Legierung durch die Merkmale der Ansprüche 3 und 4 sowie der Verwendung der Legierung durch den Anspruch 6. Die weiteren rückbezogenen Ansprüche geben vorteilhafte Aus- und Weiterbildungen der Erfindung wieder.

Die Erfindung schließt die technische Lehre ein, dass eine Kupfer-Zink-Legierung besteht aus (in Gew.-%):
28,0 bis 36,0% Zn,
0,5 bis 2,3% Si,
1,5 bis 2,5% Mn,
0,2 bis 3,0% Ni,
0,5 bis 1,5% Al,
0,1 bis 1,0% Fe,
wahlweise noch bis maximal 0,1% Pb,
wahlweise noch bis maximal 0,2% Sn,
wahlweise noch bis maximal 0,1% P,
wahlweise noch bis 0,08% S,
Rest Cu und unvermeidbare Verunreinigungen,
mit in der Matrix eingelagerten Eisen-Nickel-Mangan-haltigen Mischsiliziden.

Die Erfindung geht dabei von der Überlegung aus, eine Kupfer-Zink-Legierung mit eingelagerten Eisen-Nickel-Mangan-haltigen Mischsiliziden bereitzustellen, die mit Hilfe des kontinuierlichen oder halbkontinuierlichen Stranggussverfahrens hergestellt werden kann. Durch die Mischsilizidbildung weist die Kupfer-Zink-Legierung einen hohen Hartphasenanteil auf, der zu einer Verbesserung des Werkstoffwiderstandes gegen den abrasiven Verschleiß beiträgt. Außerdem bedingt der hohe Anteil an Siliziden aufgrund deren niedrigen Verschweißneigung eine bessere Beständigkeit gegen den adhäsiven Verschleiß.

So weist die Legierung hohe Härte- und Festigkeitswerte auf, trotzdem wird ein notwendiges Maß an Duktilität, ausgedrückt durch den Bruchdehnungswert bei einem Zugversuch, gewährleistet. Mit dieser Eigenschaftskombination ist der Erfindungsgegenstand besonders geeignet für Pb-freie Gleitelemente in Motoren, wie beispielsweise Kolbenaugenbuchsen, und in Getrieben.

Beim Gießen der Legierung findet zunächst eine frühe Ausscheidung von eisen- und nickelreichen Mischsiliziden statt. Diese Ausscheidungen können bei weiterem Wachstum zu Eisen-Nickel-Mangan-haltigen Mischsiliziden mit beträchtlicher Größe mit oft stängeliger Form heranwachsen. Des Weiteren bleibt auch ein beträchtlicher Anteil eher klein mit globularer Gestalt, der in der Matrix fein verteilt vorliegt. Insbesondere die fein verteilten Silizide werden als Grund dafür gesehen, dass eine Stabilisierung der β-Phase stattfindet. Dies liefert einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Temperaturbeständigkeit und komplexen Verschleißbeständigkeit.

Der besondere Vorteil der erfindungsgemäßen Legierung beruht auf einer für die Einsatzzwecke optimierten Eigenschaftskombination in Form einer Erhöhung der Festigkeit, der Temperaturbeständigkeit des Gefüges und der komplexen Verschleißbeständigkeit bei gleichzeitig ausreichenden Zähigkeitseigenschaften. Zudem besitzt die Legierung gute Notlaufeigenschaften bei Gleitlageranwendungen, die dem Verschweißen der Lagerpartner entgegenwirken. Zusätzlich berücksichtigt die beanspruchte Werkstofflösung aufgrund des gegenüber gebräuchlichen Legierungen substituierten Bleigehaltes die Notwendigkeit einer umweltfreundlichen bleifreien Legierungsalternative.

Außerdem ist dieser Werkstoff für besondere Anwendungen prädestiniert, bei denen es trotz hoher Anforderungen an die Härte und die Festigkeit auf ein notwendiges Maß an Plastifizierbarkeit ankommt. Dies ist beispielsweise auf dem Gebiet der hydraulischen Aggregate der Fall, deren Gleitschuhe teilweise durch Einpressen der jeweiligen Verbundpartner realisiert werden. Besonders auf diesem Gebiet des hydraulischen Maschinenbaus, beispielsweise bei Axialkolbenmaschinen, ist bei zukünftigen Entwicklungen mit steigenden Betriebsdrücken zu rechnen, die höhere Ansprüche an die Festigkeitseigenschaften der eingesetzten Materialien zur Folge haben.

In bevorzugter Ausgestaltung kann die erfindungsgemäße Legierung
28,0 bis 36,0% Zn,
0,5 bis 1,5% Si,
1,5 bis 2,5% Mn,
0,2 bis 1,0% Ni,
0,5 bis 1,5% Al,
0,1 bis 1,0% Fe enthalten.

Durch die etwas reduzierten Elementanteile von Silicium und Nickel lässt sich die Eisen-Nickel-Mangan-Mischsilizidbildung besonders auf eine optimierte Eigenschaftskombination, insbesondere in Bezug auf das notwendige Maß an Duktilität ausrichten.

In weiterer bevorzugter Ausgestaltung kann die erfindungsgemäße Legierung
28,0 bis 36,0% Zn,
1,0 bis 2,3% Si,
1,5 bis 2,5% Mn,
1,5 bis 3,0% Ni,
0,5 bis 1,5% Al,
0,1 bis 1,0% Fe enthalten.

Das Verhältnis Mn/Ni der Elementgehalte der Elemente Mangan und Nickel kann dabei vorzugweise zwischen 0,7 bis 1,3 liegen. Dieser Werkstoff weist mit einem höheren Siliciumanteil, insbesondere in Verbindung mit dem bevorzugten Mn/Ni-Verhältnis, eine gute Plastifizierbarkeit auf. Dies ist besonders für Gleitelemente wichtig, die ihren Lagerpartner durch Herstellung eines Pressverbundes vor Betrieb erst noch aufnehmen müssen.

Vorteilhafterweise kann im Gusszustand das Gefüge mit einem Gehalt der β-Phase bis zu 50 Vol.-% vorliegen. Dies wird als notwendige Voraussetzung für eine ausreichend gute Warmumformbarkeit der Kupferlegierung durch Strang pressen angesehen.

In bevorzugter Ausgestaltung der Erfindung kann nach einer Weiterbearbeitung, die zumindest eine Warm- bzw. Kaltumformung und weitere Glühschritte beinhaltet, das Gefüge mit einem Gehalt der β-Phase bis zu 45 Vol.-%, der Fe-Ni-Mn-haltigen Mischsilizide bis zu 20 Vol.-% sowie ein Rest α-Phase vorliegen.

Mit diesen β-Einlagerungen und Hartphasen unterschiedlicher Größenverteilung in einer α-Matrix gewährleistet diese Legierung eine vorteilhafte Temperaturbeständigkeit des Gefüges mit hinreichenden Zähigkeitseigenschaften sowie eine zweckentsprechende komplexe Verschleißbeständigkeit der Bauelemente. Insbesondere der hohe Silizidanteil trägt aufgrund der geringen Kaltverschweißneigung der Silizide zur Verbesserung der Gleit- und Notlaufeigenschaften bei Lagerelementen bei, wodurch der Wegfall des Pb-Gehaltes kompensiert werden kann. Damit ist gleichermaßen die Forderung nach einer besseren Umweltverträglichkeit dieser Maschinen- und Anlagenkomponenten berücksichtigt worden.

Vorteilhafterweise kann das Verhältnis der Werte für die Dehngrenze und Zugfestigkeit der Legierung Rp0,2/Rm zwischen 0,5 bis 0,95 liegen.

Auf dem Gebiet einer weiteren Anwendung, der hydraulischen Maschinen- und Anlagentechnologie, ist in der zukünftigen Entwicklung mit einer höheren Beanspruchung der Gleitlager durch steigende Betriebsdrücke zu rechnen. Neben einer Festigkeitserhöhung gewährleistet diese Ausgestaltung das erforderliche Rp0,2/Rm-Verhältnis im Bereich von 0,5 bis 0,95. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Herstellung von Lagerstellen durch Pressverbund der Gleitpartner. Diese Weiterentwicklung der Kupfer-Zink-Legierung gewährleistet eine herausragende Beständigkeit gegenüber dem abrasiven und adhäsiven Verschleiß.

Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Rohren oder Stangen aus der erfindungsgemäßen Kupfer-Zink-Legierung, wobei eine Weiterbearbeitung der Legierung folgende Schritte umfasst:

  • – Strangpressen in einem Temperaturbereich von 600 bis 800°C,
  • – zumindest eine Kaltumformung.

Diese Rohre und Stangen können als Vormaterial für die spangebende Fertigung von Gleitelementen dienen.

Ein weiterer alternativer Aspekt der Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Rohren oder Stangen aus der erfindungsgemäßen Kupfer-Zink-Legierung, wobei eine Weiterbearbeitung der Legierung folgende Schritte umfasst:

  • – Strangpressen in einem Temperaturbereich von 600 bis 800°C,
  • – eine Kombination aus zumindest einer Kaltumformung mit zumindest einer Glühung in einem Temperaturbereich von 250 bis 700°C.

Mittels einer Kombination von Kaltumformung durch Ziehen und einer oder mehrerer Zwischenglühungen der Stangen und Rohre im Temperaturbereich von 250 bis 700°C ist es möglich, eine feine Verteilung des heterogenen Gefüges einzustellen.

Auf diese Weise wird der Forderung nach der Verbesserung der komplexen Betriebseigenschaften der Lagerwerkstoffe entsprochen, da es in modernen Maschinen, Motoren, Getrieben und Aggregaten zu einer stark zunehmenden Beanspruchung der Gleitelemente kommt. Mit dieser besonderen Ausgestaltung der Kupfer-Zink-Legierung wird eine signifikante Erhöhung von Zugfestigkeit Rm, Dehngrenze Rp0,2 sowie der Härte des Werkstoffes erzielt. Gleichermaßen bewegt sich die Bruchdehnung der Legierung auf hinreichend hohem Niveau, womit die notwendigen Zähigkeitseigenschaften eingestellt werden. Zudem gewährleistet der außerordentlich hohe Gehalt an Hartphasen, insbesondere der Eisen-Nickel-Mangan-haltigen Mischsilizide sowie die heterogene Matrixstruktur aus α- und β-Phase eine zielgerichtete komplexe Verschleißbeständigkeit der Bauteile aus diesem Werkstoff.

Bereits bekannt ist der Zusammenhang zwischen der Höhe und Verteilung des Anteils der β-Phase und der Temperaturbeständigkeit des Gefüges. Da jedoch diese kubisch-raumzentrierte Kristallart eine unverzichtbare festigkeitssteigernde Funktion in den Kupfer-Zink-Legierungen übernimmt, sollte die Minimierung des β-Gehaltes nicht ausschließlich im Vordergrund stehen. Mittels der Fertigungsfolge Strangpressen/Ziehen/Zwischenglühungen kann das Gefüge der Kupfer-Zink-Legierung in seiner Phasenverteilung derart modifiziert werden, dass es neben einer hohen Festigkeit zusätzlich eine hinreichende Temperaturbeständigkeit aufweist.

In bevorzugter Ausgestaltung kann sich nach dem Umformen zumindest eine Entspannungsglühung in einem Temperaturbereich von 250 bis 450°C anschließen.

Im Fertigungsverlauf besteht die Notwendigkeit, anhand einer oder mehrerer Entspannungsglühungen die Höhe der Eigenspannungen zu reduzieren. Die Absenkung der Eigenspannungen ist auch bedeutsam für die Gewährleistung einer ausreichenden Temperaturbeständigkeit des Gefüges und für die Sicherstellung einer genügenden Geradheit der Stangen und Rohre.

Des Weiteren findet, wie bereits vorstehend ausgeführt, die erfindungsgemäße Kupfer-Zink-Legierung für Gleitelemente in Verbrennungsmotoren, Getrieben oder hydraulischen Aggregaten Verwendung.

Weitere Ausführungsbeispiele der Erfindung werden anhand einer Tabelle näher erläutert. Es wurden Gussbolzen der erfindungsgemäßen Kupfer-Zink-Legierung durch Kokillenguss hergestellt. Die chemische Zusammensetzung der Abgüsse geht aus Tab. 1 hervor. Tabelle 1: Chemische Zusammensetzung der Gussbolzen (Ausführung A)

Nr.Cu [%]Zn [%]Si [%]Mn [%]Ni [%]Sn [%]Al [%]Fe [%]Leg.-Typ 164,131,21,201,760,40< 0,010,920,30Leg.-Typ 263,631,71,171,750,55< 0,010,870,33Leg.-Typ 359,333,41,72,02,3< 0,010,90,5

Fertigungsfolge beim Leg.-Typ 1 und 2:

  • • Strangpressen zu Rohren bei der Temperatur von 700°C.
  • • Kombination von Kaltumformung/Zwischenglühungen (650°C/50–60 min)/Richten/Entspannungsglühungen (300–350°C/3 h)

Nach durchlaufener Fertigung befinden sich die mechanischen Eigenschaften der Rohre auf dem Niveau, das in Zahlenwerten in Tab. 2 dargestellt ist. Tabelle 2: Mechanische Eigenschaften der Rohre (Leg.-Typ 1 und Leg.-Typ 2)

Nr.β-Gehalt [%]Korn-Größe [μm]Rm [MPa]Rp0,2 [MPa]Rp0,2/RmA5 [%]HBLeg.-Typ 155–107156560,9212,0222Leg.-Typ 25–1010–156605770,8713,2207

Fertigungsfolge:

  • • Warmwalzen bei der Temperatur von 750°C im Labormaßstab
  • • Kombination von Kaltumformung/Entspannungsglühungen (300–400°C/2–3 h)

Nach durchlaufener Fertigung befinden sich die mechanischen Eigenschaften der Rohre auf dem Niveau, das in Zahlenwerten in Tab. 3 dargestellt ist. Tabelle 3: Mechanische Eigenschaften (Leg.-Typ 3)

Nr. Leg.-Typ 3β-Gehalt [%]Korngröße [μm]Rm [MPa]Rp0.2 [MPa]Rp0,2/RmA5 [%]HBBehandlung 1
(300°C/2 h)
30–40106743990,597,3222
Behandlung 2
(400°C/2 h)
30–40106214240,6813.1206